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Pressenotiz zu : Die Zeit, 06.04.2000
Dem Anliegen Richters, auf biologischer Grundlage einer "universellen Grammatik der Ästhetik" auf die Spur zu kommen, bringt Martin Seel zwar Respekt entgegen, dennoch hält er Richters Herangehensweise für fragwürdig. Seel will gar nicht ausschließen, dass es biologische Dispositionen für ästhetisches Empfinden gibt. Jedoch hält er es für falsch, dies mit "verbindlichen ästhetische Orientierungen" gleich zu setzen. Vielmehr glaubt Seel, dass auch in der Überschreitung einer möglicherweise biologisch begründbaren Ästhetik ein Reiz liegen kann. Dies wird seiner Meinung nach aber vom Autor nicht ausreichend berücksichtigt. Außerdem merkt Seel an, dass in der philosophischen Ästhetik die Frage "Was ist schön" bzw. "Was empfinden Menschen als schön" nur eine untergeordnete Rolle spielt. Für die eigentliche Frage philosophischer Ästhetik, in der es darum geht, welchen Nutzen die Menschen für sich aus der biologischen Disposition in ästhetischer Hinsicht ziehen, biete dieses Buch kaum neue Erkenntnisse.
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Kurzbeschreibung
Zu Fragen nach Herkunft und der Bedeutung der Ästhetik werden hier Antworten aus dem Bereich der Biologie vorgelegt und zu philosophischen Positionen in Beziehung gebracht. Die Basis unserer ästhetischen Wahrnehmung ist aus evolutionären Wurzeln zu verstehen. Diese legen denn auch den biologischen Sinn unserer Auffassungen von Schönheit offen. Gleichzeitig ist das Schönheitsempfinden von den sinnes- und neurophysiologischen Möglichkeiten abhängig, die gleichfalls ein Resultat stammesgeschichtlicher Anpassung sind. Aus der evolutionären Verwurzelung und der biologischen Relevanz der Ästhetik für menschliche Befindlichkeit resultiert ein ethischer Imperativ. Dieser bezieht sich auf das Verhältnis des Menschen zu seiner eigenen biologischen Natur wie zur Natur schlechthin, aus der er hervorgegangen ist, von der er existentiell abhängt und für deren Bewahrung er bereits aus Gründen der Selbsterhaltung Verwantwortung trägt.