Die Herberge am Ende der Welt (Splitter)
Nach dem von vielen gefeierten 'Canoe Bay' präsentiert der Splitter Verlag nun mit 'Die Herberge am Ende der Welt' einen neuen Band von gleichen Kreativteam.
Dabei sind die Künstler auch einzeln in Deutschland keine Unbekannten mehr.
Zeichner Patrick Prugne hat schon bei der Ehapa-Serie 'Fol' gezeichnet, während Autor Tiburce Oger auch bei den Serien 'Gorn', 'Lady Gorge' und 'Die Fährte der Dämonen' dabei war.
In 'Die Herberge am Ende der Welt' präsentieren uns die beiden eine melancholisch, verträumte Geschichte aus dem kleinen Fischerdorf Trebernec an der Küste der Bretagne am Anfang des 19. Jahrhunderts.
Der Autor Edgar Saint Prieuc hat eine Art Schreibblockade, und will sich durch die Einöde der bretonischen Küste inspirieren lassen. Als Übernachtungsmöglichkeit bleibt ihm nur die kleine Herberge an der Küste. Der Wirt läßt ihn gern herein, kann aber aufgrund von Gebrechlichkeit nicht viel für ihn tun. Kurzerhand versucht Saint Prieuc, für den Wirt und sich selbst Essen in der Küche zuzubereiten. Dabei wird er von seltsamen, rattenähnlichen Kreaturen eingesperrt. Zunächst schiebt er es auf seinen Geisteszustand, aber nach seiner Befreiung teilt ihm der Wirt mit, daß die Kreaturen durchaus real sind. Im Anschluß erzählt er ihm die Geschichte des Ortes Trebec. Dies bildet die eigentliche Hauptgeschichte.
Die Frau seines Vorgängers als Wirt wurde aus unbekannten Gründen eines Tages in der Nähe des Strands ermordet. Seine einzige Tochter, die seine Frau begleitete, war verschwunden. Dieses Verbrecher stürzte aber nicht nur seinen Vorgänger ins Unglück, sondern auch den kleinen Fischerjungen, der in die Tochter verliebt war.
In den folgenden 11 Jahren wird es nicht besser für Trebec. Zwar wird eine Konservenfabrik eröffnet, die den Bewohner wirtschaftliche Vorteile eröffnet, jedoch verschwinden immer wieder Arbeiter und Fischer, oder werden krank. Den Fischerjunge zieht es als Seeman aufs Meer hinaus.
Plötzlich erscheint die Tochter des Wirts von einem auf den anderen Tag. Leider weiß niemand, was mit ihr passiert ist, denn sie spricht nicht mehr. Das mittlerweile zur Frau herangereifte Mädchen hat mysteriöse Fähigkeiten, die von den Dorfbewohnern argwöhnisch betrachtet werden...
Der Splitterverlag bringt diese auf 3 Alben ausgelegte Serie als Splitterbook heraus, d.h alle 3 Alben gesammelt in einem kleinformatigen Hardcover (144 Seiten) mit Schutzumschlag. Somit bekommt man die komplette Geschichte in einem Band.
Wer hier eine Actionserie vermutet, liegt falsch. Das ganze ist auf Mystik und Gänsehaut ausgerichtet. Dazu paßt, das die Originalgeschichte wirklich von dem Autor Edgar Saint Prieuc verfaßt wurde, der Ende des 19. Jahrhunderts plötzlich verschwand. Oger hat diese Geschichte aufgegriffen, und den Autor mit in seine Geschichte eingebaut.
Auch Zeichner Patrick Prugne trägt wesentlich zur Stimmung bei; seine detailreichen, leicht verwaschenen Zeichnungen sind in Aquarelltechnik getuscht, und die dunklen Farben lassen den Leser den Wind und den Geruch vom Meersalz förmlich erleben, ebenso wie die traurige Stimmung in dem kleinen Ort Trebec.
Ein Band, der gut geeignet ist, sich an einem kalten Winterabend vor dem Kamin zu gruseln und gleichsam Beleg für die Erweiterung der Splitterpalette, die mehr zu bieten hat als Fantasy und Science-Fiction.
(project:equinoX)