Endlich ging es weiter mit der charakterstarken Familie Kuisl, dieses Mal mit vertauschten Rollen, denn der Henker Jakob Kuisl gerät in große Schwierigkeiten und muss erleben, was er selbst schon unzähligen Menschen antun musste...
Mit dem Prolog wird man gleich ins Geschehen gerissen. Obwohl es über ein Jahr her ist, dass ich Band II gelesen habe, waren mir alle Personen zu Beginn sofort wieder nah. Diese vielschichtigen Charaktere hat man einfach schon tief ins Herz geschlossen, sie sind gute Bekannte, deren Schicksal man gern verfolgt.
Jakobs Geschichte entwickelt sich ziemlich rasant. Nach einer gefährlichen Reise nach Regensburg wird er erst eingesperrt, dann muss er den Schock über den Tod seiner Schwester verkraften, um sich kurz darauf abermals im Kerker wiederzufinden. Die Ratsherren sind sich sicher, Jakob ist der Mörder seiner Schwester und ihres Mannes, seine Lage scheint aussichtslos. Nur seine Tochter Magdalena und der Medicus Simon Fronwieser, die ebenfalls nach Regensburg gekommen sind, könnten ihm nun noch helfen, falls sie Beweise für seine Unschuld finden.
Der dritte Band der Henkerstochter-Saga hält wirklich eine emotionale Achterbahn für seine Leser bereit. Durchweg spannend wechseln sich aufregende mit lustigen Momenten ab, traurige Passagen münden in interessante historische Begebenheiten und Tatsachen. Langweilig wird es nicht eine Sekunde lang. Manchmal schwankt man zwischen Lachen und Weinen, sei es wegen der Kuislschen Sturheit, den Qualen, die Jakob erleiden muss oder der Fronwieserschen Eifersucht.
Doch nicht nur die bekannten Charaktere geben dieser Geschichte ihr Feuer. Nebenfiguren wie der ebenso charmante wie kleine Venezianer Silvio Contarini, der Magdalena Kuisl galant umgarnt, bereichern die Handlung ungemein. Auch ohne Pater Hubertus, den dicken Bierliebhaber und Freund der gepflegten Unterhaltung hätte eine Zutat zu diesem erstklassigen historischen Kriminalroman gefehlt.
Den Schauplatz fand ich dieses Mal extrem interessant. Durch die bildhafte Beschreibung des Autors, erwacht das alte Regensburg zum Leben, wirkt sehr vielfältig und "großstädtisch. Der kleine Reiseführer, den man im viel zu schnell erreichten Nachwort findet, macht nicht nur Lust auf einen Besuch in dieser geschichtsträchtigen Stadt, er zeigt auch, wie intensiv und gründlich Oliver Pötzsch für sein Buch recherchiert hat.
"Die Henkerstochter und der König der Bettler" ist meinem Gefühl nach der bisher beste Band der Reihe. Ein weitreichender, gut durchdachter Kriminalfall, der mich bei der Auflösung wirklich in Staunen versetzt hat, bekannte und liebgewonnene Personen mit Ecken und Kanten, die ihre Eigenarten und Schwächen auch ausleben dürfen. Neue Freunde, neue Feinde, jeder für sich eine Bereicherung für die Geschichte.
Ein mit Geschichte, Wissen und spannender Unterhaltung prall gefüllter historischer Krimi, doch so gut abgestimmt, dass er nicht aus allen Nähten platzt.