Was uns der Autor auf 560 endlosen Seiten unter ständigen Wiederholungen sagt, ist folgendes:
Der Leser soll alles vergessen, was er bisher über Film, über Drehbuchschreiben, über Plot Points, Dramaturgie, aber auch über Mythen und über Psychologie gelesen hat, denn jetzt kommt's.
Drehbuchschreiben hat weder etwas mit Können oder Technik zu tun. Jeder Stümper kann Drehbücher schreiben. Er muss nur die richtige Story haben, dann kommt alles wie von selbst. Und die richtige Story ist (ausschließlich!!) die von "Heldinnen und Helden, die erfolgreich darum kämpfen, die kranke Wirklichkeit, die vor allem unsere eigene Wirklichkeit ist, zu überwinden". Die Filmstory ist zugleich eine Therapie, ein Initiationsritus, ein Versuch, das verlorene Paradies wiederzugewinnen.
Mit diesem kruden Folterwerkzeugkasten aus selbstgetrickter Mythologie, Völkerkunde und der Psychologie C.G. Jungs malträtiert der Autor nun ein paar hundert Filme, die er gesehen hat.
Filme, die er nicht mochte, sind deshalb schlechte Filme, weil sie auf seine Theorie nicht passen. Bzw. seine Theorie nicht auf die Filme. Sind sie gefloppt, dann eben aus diesem Grund. Sind sie nicht gefloppt, obwohl es schlechte Filme waren, dann, weil unsere kranke Wirklichkeit und das darin real existierende Filmpublikum aus lauter therapiebedürftigen Kranken besteht und aus solchen, die sein Buch noch nicht gelesen haben.
Filme die Herr Hammann gut findet, und die Erfolge geworden sind, sind es natürlich deshalb, weil sie dem von ihm erkannten Strickmuster folgen. Sind die seiner Ansicht nach guten Filme aber gefloppt, liegt das an unserer kranken Wirklichkeit usw. (s.o.). Und dann gibt es noch ein paar Filme, die auch Herr Hamann gut findet und die erfolgreich waren, auf die seine Theorie irgendwie nicht so recht passen will. Aber was nicht passt, wird mit vielen Worten passend gemacht, weil der Film im "Subtext" eben doch die Heldengeschichte vom verlorenen Paradies ist.
Mit anderen Worten: dumm gelaufen für die Realität, wenn sie mit der Theorie nicht übereinstimmt. Zwar sind Versuche, die Welt aus einem einzigen Punkte zu erklären (die Ölkonzerne sind schuld, bzw. die Juden, die Amerikaner, die Kommunisten, die Christenhunde, die Islamisten usw.) noch immer gescheitert, meistens unter Hinterlassung von ein paar Millionen Leichen. Was Hammann zurücklässt, ist erfreulicherweise nur der Ärger darüber, ein paar Stunden Lebenszeit mit einer gänzlich überflüssigen Lektüre verbracht zu haben.
Aber ich bin wohl selbst schuld: wenn ich mich vorher informiert hätte, hätte ich gewusst, dass der Autor als Produzent und "Script Doctor" bei Wim Wenders tätig war, der mit deutschen Steuergeldern einen stinklangweiligen Flop nach dem anderen produziert hat. Dessen Filme sind natürlich in Wirklichkeit unglaubliche Meisterwerke. Zumindest im Subtext...