Sophie Kinsella geht es wie Simon Beckett im Thriller Bereich, Frühwerke werden mit neuem Design wieder aufgelegt und die Fans sind enttäuscht, weil die Romane in eine ganz andere Richtung gehen als die aktuell so erfolgreichen Titel und sie sich deshalb betrogen fühlen.
Die Heiratsschwindlerin ist kein Chick-Lit mit chaotischer Heldin, die alle möglichen absurden Anstrengungen unternimmt um aus der peinlichen Situation herauszukommen und dabei nur noch mehr Peinlichkeiten produziert, sondern ein durchaus ernsthafter Liebesroman mit nur leichten komödiantischen Untertönen, der sich sogar um eine moralische Aussage bemüht.
Das Hörbuch ist durchwegs sehr unterhaltsam und bleibt durch viele Nebenhandlungen spannnend, ohne dass man dabei den Überblick verliert, es gibt einige unerwartete Wendungen, eine sogar eher ins Tragische hinein und auch wenn am Ende alles gut ausgeht, ist das im Verlauf des Hörbuchs nicht jederzeit verhersehbar.
Natürlich fragt man sich, ob es nachvollziehbar ist, dass eine erwachsenene Frau eine vorherige Eheschliessung einfach ignoriert und darauf vertraut, dass es schon niemand herausfindet, aber so wie Millie in diesem Buch beschrieben ist und mit dem völlig unterschiedlichen Behördenwesen in Grossbritanien, fand ich das durchaus glaubhaft.
Die letztliche Aussage, dass sich alle Probleme lösen lassen (die Eheprobleme der Eltern, das gespannte Vater-Sohn Verhältnis des Verlobten, die Beziehungsprobleme der Schwester...), wenn man nur ehrlich zueinander ist und miteinander spricht, ist dann natürlich etwas einfach, aber letztlich ist es auch nur ein Unterhaltungsroman und unterhalten hat mich dieses Hörbuch über die 4 Stunden Laufzeit sehr gut.
Die Sprecherin macht ihre Sache ebenfalls gut, sie gibt den Personen zwar keine verschiedenen Stimmen, aber durch unterschiedliche Betonung kann man die Figuren leicht auseinanderhalten.