In diesem Werk kann "die grundliegende Übereinstimmung zwischen dem schwer verständlichen biblischen Kapitel der Offenbarung (des Johannes) und der Sankhya-Philosophie Indiens" erkannt werden (so Paramahansa Yogananda, der bekannteste Schüler Sri Yukteswars, im Vorwort). Das Büchlein setzt dabei viel voraus: Einerseits die Erkenntnis, dass die Apokalypse ein esoterisch verschlüsselter Text ist, der (innere) spirituelle Erfahrungen darstellt. Beispielsweise werden die dort vorkommenden "sieben Sterne/Gemeinden/goldene Leuchter" als Beschreibung der sieben Nervenzentren im Rückenmark ("Chakras") interpretiert. Andererseits muss man wissen, dass in den sechs klassischen Systemen der indischen Philosophie jeweils zwei zusammengehören: So steht hinter dem dualistischen (Geist - "purusha" und Natur "prakriti") Heilspragmatismus des Yoga die Psychologie/Erkenntnistheorie des Samkhya, die westlichen Yogis oft nicht geläufig ist. Hier ist es ratsam, sich vorher etwas einzulesen (etwa in Heinrich Zimmers "Philosophie und Religion Indiens", derzeit leider nur antiquarisch zugänglich o. ä.). Dann wird der Blick frei auf einen geistigen Himalaya, auf dem "das einzig wirkliche Wesen des Universums", Gott geheißen, thront. Mit anderen Worten wird dem Leser der Weg zur Entfaltung der Liebe gezeigt, die Gott selbst ist, indem man einen geistigen Präzeptor ("Guru") findet, um das "höchste Ziel des Lebens" (Schlusswort), die Vereinigung mit Gott selbst, zu erreichen. Das ist die nicht eben leichte Lektüre doch sicher wert, oder? Als Zugabe bekommt man in der Einleitung eine sehr erhellende Darstellung der hinduistischen Lehre von den vier Zeitaltern, den "Yugas". Näheres über den Autor ist (der Vollständigkeit halber) bekanntlich u. a. in Paramahansa Yoganandas "Autobiographie eines Yogi" nachzulesen.
P.S.: Beatles-Fans aufgepaast - Sri Yukteswar befindet sich auf dem Cover von "Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band" (oben links) abgebildet (George Harrison sei Dank).