"A nesquio quo..."
(Gregor von Tours über den Tod König Hermenefreds)
Im Jahre 531 zerschlagen die Herrscher der fränkischen Teilkönigreiche von Metz und Soissons, Theuderich und Clothar, mit ihrem Sieg in der Schlacht an der Unstrut das Thüringerreich unter König Hermenefred. Während das von den Thüringern eroberte Territorium Theuderichs "Austrasien" eingegliedert wird, betrachtet sein jünger Halbbruder Clothar die thüringische Prinzessin Radegundis als Kriegsbeute, die er auf sein Gut in Athies an der Somme verschleppen lässt...
Das vom Aufbau Taschenbuch Verlag gewählte Buchcover führt mit der Abbildung eines spätmittelalterlichen Szenarios zunächst zu Irritationen. Erst ein Blick auf die Buchrückseite verschafft darüber Klarheit, in welcher Zeit sich die Handlung des Romans ereignet. Demgegenüber bietet der Buchtitel eine treffende Charakterisierung der beiden Protagonisten, die auch im Roman ihre Bestätigung finden. Während Robert Gordian in "Der Wolfskönig", dem ersten Teil seiner Romanreihe um die Geschichte der Merowinger, auch Themen wie fränkische Politik, Diplomatie, Religion etc. im beginnenden Mittelalter näher ausführt, nehmen in "Die Heilige und der Teufel" mit dem halbheidnischen, unmenschlischen König Clothar, sowie der Heiligen Radegundis die zwei Hauptpersonen und ihre Beziehungen nahezu den gesamten Raum ein. Hierzu gehören auch die verwandtschaftlichen Beziehungen der Nachkommen Chlowigs, die zusätzlich mit einer Stammtafel visualisiert werden. Eine Zeittafel am Ende des Buches bietet eine grobe Chronologie der historischen Ereignisse, lässt aber ebenso wie die Romanhandlung den Iberienfeldzug (542) vermissen, bzw. erwähnt die militärischen Aktionen der Franken gegen die Ostgoten und Byzantiner nur peripher.
Wie bereits beim Wolfskönig offenbart der Autor auch seinen spezifischen Humor, wenn er z. B. den Entsetzensschrei "Terror cimbricus! Furor teutonicus!", einen "zahnlosen Alten ausstoßen lässt, der so aussieht, als sei er schon damals, vor sechshundert Jahren (=120 v. Chr.), dabei gewesen". Die in der direkten Rede verwendeten Begriffe "Memme" (S. 119) und "Duckmäuser" (S. 169) sind als Anachronismen aus dem 16. bzw. 15. Jahrhundert lediglich zwei kleine Schönheitsfehler.
"Die Heilige und der Teufel" lässt zwar eine Landkarte vermissen, ist aber dennoch ein ansprechender Roman, der das Prädikat "historisch" vollauf verdient und mit 4 Amazonsternen zu bewerten ist. Er macht zudem neugierig auf den von Robert Gordian bereits im Juni 1998 veröffentlichten Roman "Die schrecklichen Königinnen" in dem seine Romangeschichte der Merowinger in den mörderischen Ereignissen um die Nachkommen Clothars und ihren westgotischen Gemahlinnen Brunichild und Galswintha bereits eine Fortsetzung gefunden hatte.