„Die Heilige Nacht“ ist die erste Jesusgeschichte, die Selma Lagerlöf in ihrem 1904 erschienenen Sammelbändchen „Christuslegenden“ veröffentlicht. Und sie ist eine der schönsten Geschichten dieses Bändchens.
In jedem Fall beinhaltet diese Geschichte eine wunderbare Rahmenhandlung: Die Geschichte von der heiligen Nacht wird der kleinen Selma nämlich an einem Weihnachtsabend von ihrer Großmutter erzählt. Beide langweilen sich, weil sie nicht mit zur Christmette durften. „Wir hatten nicht mitfahren können, weil die eine zu jung und die andere zu alt war. ... Aber wie wir so in der Einsamkeit saßen fing die Großmutter zu erzählen an.“ Damit hat Selma Lagerlöf ihrer Großmutter ein Denkmal gesetzt; man kann zwischen den Zeilen lesen, wie sehr sie diese Oma geliebt haben muss.
Die Geschichte besticht durch eine wunderschön einfache und zugleich poetische Sprache, die nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene bezaubern wird. Ich bin jedes Mal von neuem ergriffen, wenn ich diese Geschichte lese und regelrecht gerührt, wenn ich sie vorgelesen bekomme oder selbst vortrage.
Auch das Ende ist wunderschön: Die Großmutter beschließt die Geschichte, auch wir könnten die Engel in jeder heiligen Nacht fliegen sehen und jubilieren hören, wenn wir ihrer nur gewahr würden.
Die Aquarellzeichnungen von Ilon Wikland, die auch fast alle Romane von Astrid Lindgren mit Ausnahme von „Pippi Langstrumpf“ und „Michel aus Lönneberga“ illustriert hat, sind ganz in nächtlichem blau gehalten und „untermalen“ sehr einfühlsam die Handlung der Geschichte. So eignet sich das Büchlein wunderbar zum gemeinsamen Betrachten.
Wer allerdings seine Euros beisammen halten muss und seinen (älteren, schulpflichtigen) Kindern schöne Geschichten um Jesus vorlesen möchte, dem sei eher empfohlen, die Taschenbuch-Ausgabe der „Christuslegenden“ zu erwerben. Da erhält KäuferIn einfach mehr Geschichten für weniger Geld.