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Die Heilige Familie und ihre Folgen: Ein Versuch
 
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Die Heilige Familie und ihre Folgen: Ein Versuch [Broschiert]

Albrecht Koschorke


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Albrecht Koschorke
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Die jüdischen Menschen Maria, Josef und Jesus lieferten als Familienphänomen von Anfang an Stoff für himmlische und irdische Szenarien, die bislang nur sehr zurückhaltend voneinander unterschieden wurden. Albrecht Koschorke gelingt ein gewagter Querschnitt durch Kirchen- und Kulturgeschichte, Literatur und Theologie. Er legt den Blick frei auf die Kategorie der Heiligen Familie, die das christliche Abendland bis heute prägen konnte. Die Heilige Familie eignet sich für kollektive Fantasien über Familie, Kinderglück und Rollenverständis. Die Heilige Familie mit ihrem Dreierschema Vater-Mutter-Kind ist eine religiöse und soziale Projektionsfläche, die noch lange nicht ausgedient hat.

Albrecht Koschorke zeichnet in einem sympathischen und spritzigen Essay den Wandel des Ehe- und Familienverständnisses von der Zeit Jesu bis heute nach. Dabei ordnet er mit strukturalistischer Geschicklichkeit Frauenrollen, Ödipuskomplex und Marienverehrung in der Kategorie der Heiligen Familie. Er zieht ungewöhnliche Verbindungslinien, etwa von der Jungfräulichkeit Marias über das Berufsbeamtentum bis zu Kleists Marquise von O. Er bestimmt die Heilige Familie zum Urbild, auf das mit Esprit und Charme alle Folgebilder zurückgeführt werden können. Die natürliche Konstellation Vater-Mutter-Kind konnte mithilfe der geschichtlichen Figuren Josef-Maria-Jesus mutieren zum theologisch ziselierten Schema der Trinität Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dabei ist die Beziehung Mutter Gottes -- Gottes Sohn haltbarer und inniger als die Beziehung Jesu zu seinem leiblichen Vater. Josef tritt zu Gunsten eines geheimnisvollen göttlichen Zeugungsaktes in den Hintergrund -- ikonographisch oft so dargestellt, dass Josef bescheiden-melancholisch aus dem Hintergrund auf die Mutter-Sohn-Idylle schaut. Eine direkte Linie zieht sich von da aus zu heutigen Mutter-Kind-Haushalten, in denen der Alimente zahlende Vater eine merkwürdig josefartige Rolle spielt.

Koschorkes essayistischer Rundumschlag richtet sich nicht populistisch gegen das eine oder andere Familienbild oder gar gegen religiöse Überzeugungen. Ihm geht es darum, dort hartnäckig zu hinterfragen, wo das Verständnis für die Relativität irdischer Phänomene fehlt. Wohltuend zwanglos ist es, wie er mit der ach so heil(ig)en Familie umgeht. --Bettina Wittke

Kurzbeschreibung

»Warum hat diese Familie die kollektive Phantasie so sehr beschäftigt, dass sie zum prominentesten Sujet der abendländischen Malerei wurde? Warum spielen marienähnliche Mütter und jesusähnliche Söhne noch im wissenschaftsgläubigen 19. Jahrhundert und selbst noch in Filmproduktionen wie Terminator oder Star Wars eine so wichtige Rolle, dass man sie zu den tragenden kulturellen Stereotypen unserer Gesellschaft zählen kann? Wer so fragt, ist weniger mit der Richtigkeit oder Widerlegbarkeit historischer Fakten als mit der Logik kultureller Phantasmen befasst.«
Albrecht Koschorke

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