Thierry Jonquets Roman "Die Haut, in der ich wohne" aus dem Jahr 1984 heisst im Original "Mygale", also "Die Vogelspinne". Mygale wird nicht nur eine Hauptfigur genannt, sondern der Titel ist auch eine Metapher: Eine Person, die ein Netz um sich spannt, worin ihre Opfer zappeln. Das Buch wird von Pedro Almodóvar unter dem Titel "La Piel que habito" verfilmt. Jonquets Buch ist der ideale Stoff für Almodóvar und wer die sehr eigenen Almodóvar-Filme mag, wird auch Jonquets Roman mögen.
Bei "Die Haut, in der ich wohne" handelt es sich um einen sehr abgründigen Krimi. Der Beginn ist etwas verwirrend, da sich drei Erzählstränge parallel entwickeln, die erst mit der Zeit zusammenfinden. Es geht um einen Arzt, der seine Frau zuhause einsperrt und demütigt. Ein junger Mann wird entführt und in einem Verlies gefangen gehalten. Ein Bankräuber ist auf der Flucht.
Inhaltlich ist das Buch ziemlich hart, weshalb es nicht für jedermann geeignet ist. Es geht um physische und sexuelle Gewalt, Folter, Bestrafung, Erniedrigung, Sadismus, Zynismus, Perversionen, Spiel mit geschlechtlichen Identitäten. Jonquets aussergewöhnlicher Roman ist somit ein sehr spezielles Leseerlebnis.