Almodovar wäre nicht so bekannt, berühmt, genial und auch umstritten, würde er gewöhnliche Liebesfilme oder SOKO Barcelona produzieren. Ich liebe ihn für das Exzentrische, Skurrile, das Schwule und Lesbische, das Unvorhersehbare, für das Sichtbarmachen der dunklen Seite in den Menschen, die kriminelle Energie, für den Schmutz der Stadt, den verbotenen Sex, den Trieb und die ganze Leidenschaft, die nicht sein darf und das Leben, mit allen Facetten und Grausamkeiten zwischen Kleinstadt und Betonsiedlung, zwischen Glauben, Ängsten und Lust - eine Welt in der Welt in der Welt.
Es wird Menschen geben, für die sind die Themen seiner Filme eine Überdosis an "Abartigkeit", aber wer selber ein anderes Leben kennt und genießt, oder genug Vorstellungskraft hat, welche Dinge sich fern seinem braven eintönigen Büroalltag abspielen mögen, weiß, dass Pedro sehr nah an vielen Themen ist und mit seinen Geschichten oft das Letzte aus einem rausholt, wenn man ihn und seine grandios ausgewählten Schauspieler lässt.
Auch hier!
Und gleich vorweg - wer das Ende des Filmes nicht erlebt oder sieht, wird diesen Film nicht verstehen oder verarbeiten können. Das Ende ist der Schlüssel, das Ende ist die bewegenste Auflösung eines feucht-bitter-verstörten Psycho-Thrillers oder doch einfach nur gängigster Almodovar-Stoff in bester Erzählweise, mit fulminanten Schluss? Egal - der Weg zum Ziel ist alles andere als zäh und wer sich auf den Film einlässt, schwankt ständig zwischen tiefer Eigenanalyse zur Auflösung "des Falls" und dem Genuss brilliant dargestellter Irrungen und Wirrungen seiner Protagonisten.
Was für ein wunderschönes Wiedersehen mit der tollen, hier erblondeten Marisa Paredes UND Antonio Banderas als verbitterter, gebrochener Vater und Arzt.
Ich danke Pedro Almodovar von ganzen Herzen, dass er Filme macht, die nicht nur anders und unkonventionell sind, sondern dass er in seinem Filmen die schmerzhafte Tristesse des Leidens, Spannung, fantastische Musik, Transgender-Themen, so wie Kritik an Kirche und Gesellschaft aufnimmt und vermischt, nie mit dem Zeigefinger - immer künstlerisch, immer noch inspiriert und innovativ - das ist Filmkunst pur!
Die andere Sorte Film.