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5.0 von 5 Sternen
Erste Liebe, 19. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Haushälterin: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieser Roman ist geprägt von einer wunderbaren Leichtigkeit. Man kann ihn am See lesen oder im Zug - und doch werden hier die „großen Themen" in Form eines spannungsgeladenen Kammerspiels behandelt: Bedingungslose Liebe. Das Warten auf den Tod. Sex. Die Sehnsucht des jungen Menschen, von Älteren respektiert zu werden. Die Sehnsucht des alten Menschen, wieder jung zu sein. Bei alledem setzt der Autor auf Humor und Ironie! Dieses Buch wurde nicht umsonst vom SPIEGEL schwer gelobt: Als zeitgemäße Adaptation der Novelle „Erste Liebe" des russischen Erzählers Iwan Turgenjew.
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24 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Bitte böser!, 9. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Haushälterin: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nett. Das Wort hat heutzutage keinen guten Ruf. Klar. Nett ist das Lieblingswort von Girlies oder jung gebliebenen Frauen, die es dann zumeist als Antwort auf die Frage verwenden, wie ihnen das und das oder der und der gefallen habe. Nett wird dann zu Nä-hät. Nett ist der Typ, der gerade vorbeigeht. Nett ist das Lokal, in dem man gerade sitzt. Ein Blick ins etymologische Lexikon klärt auf: Nett – das heißt „rein, sauber, lauter, rechtschaffen, höflich“. Nett steht insofern nicht nur für eine Gruppe der heutigen Gesellschaft, sondern auch für die Produkte, die diese vorzugsweise konsumiert. Nette Musik, nette Filme, nette Bücher.
„Die Haushälterin“ von Jens Petersen macht auf den ersten Blick den Eindruck eines solchen netten Buchs. Eine Coming-of-age Geschichte aus der gehobenen Mittelklasse Hamburgs, kombiniert mit einer Menage à Trois, deren Erotik stets nur angedeutet bleibt. Philipp heißt der sensible Junge, der hier die Geschichte erzählt. Seine Mutter ist schon seit einiger Zeit tot, der Vater, nachdem er arbeitslos geworden ist, wird zum Alkoholiker und Hobbyliebhaber. Als Philipp eine Haushälterin engagieren möchte, um den überforderten Vater zu entlasten, steht eines Tages eine junge Polin vor der Tür, Ada. Marke: wild und geheimnisvoll. Es kommt, wie es kommen muss: Vater und Sohn verlieben sich in die junge Frau. Was folgt, sind die schmerzhaften ersten Liebeserfahrungen Philipps, der nicht so recht weiß, ob Ada mit ihm spielt oder tatsächlich etwas für ihn empfindet. Baden im See, Sommergewitter, Partys, Tränen, Wut. Das ganze Paket eben. Am Ende: Entfremdung vom Vater, der Ada mit plumpen Mitteln verführt hat.
Wie gesagt: auf den ersten Blick eines dieser Bücher, die man gerne mal so in der Bahn liest, am Balkon in der Sonne, und die irgendwann vielleicht in schönen Bildern für das ZDF mit Tom Schilling in der Hauptrolle verfilmt werden. Und daran wäre ja auch an sich überhaupt nichts auszusetzen. Denn auch wenn nicht so ganz klar ist, wie alt der Junge nun wirklich sein soll, der manchmal erstaunlich infantil und dann wieder unrealistisch erwachsen für sein Alter agiert; auch wenn hin und wieder platte Maximen stören, die Figur des Vaters oberflächlich bleibt und der Schluss etwas unmotiviert und disproportional zum Rest des Buchs erscheint, das aus unerfindlichen Gründen „Roman“ und nicht „Erzählung“ genannt wird – „Die Haushälterin“ ist ein solide und flüssig geschriebenes Debüt.
So weit, so nett. Das einzige, was dann tatsächlich, wenn auch indirekt, an dem Buch irritiert, ist der plötzliche Hype, der um es herum veranstaltet wird. Hymnische Besprechungen in den großen Tageszeitungen, eine ganze Seite im „Spiegel“ – die merkwürdigerweise kaum über das Buch selbst berichten, sondern stattdessen das gute Aussehen des Autors hervorheben, was auch noch mit Fotos untermauert wird. Schließlich: die Nominierung für den „Deutschen Buchpreis“ als "bestes Buch des Jahres" und der „Aspekte“-Preis für das „beste deutschsprachige Debüt des Jahres“. Warum einem dabei dann doch ein etwas ungutes Gefühl beschleicht: Kann es sein, dass es in Deutschland dieses Jahr wirklich keine „besseren“ Debüts gab, Debüts, die nicht auf Nummer sicher gehen, sondern sprachlich und inhaltlich etwas wagen? Und vielleicht noch wichtiger: Inwieweit tut man dem Autor, der ohne Zweifel viel Potential besitzt, einen Gefallen, wenn man ihn jetzt schon mit seinem harmlosen Erstling neben vormalige „Aspekte“-Preisträger stellt, wie Ingo Schulze, Andreas Maier oder Thomas Stangl?
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4.0 von 5 Sternen
Ein uralter Stoff, neu und überaus überzeugend verpackt, 28. März 2011
Mit seinem ersten Roman Die Haushälterin" Die Geschichte eines gespannten Verhältnisses zwischen einem pubertierenden Sohn und einem Vater - der seit einigen Jahren verwitwert und arbeitslos - nach Depression und einem Selbstmordversuch in seiner Andropause eine neue Lebenslymphe entdeckt und, sehr zum Missfallen seines Sohns um seine erste große Liebe wirbt.
Was wie der Plot eines nordisch-schrägen Cinematograph-Films klingt, ist im Buch aber einerseits mit viel Feingefühl und Nüchternheit und andererseits ganz ohne Rhetorik und gekünstelter Sentimentalität dargestellt. Mit einer präzisen und knappen Sprache wird auf überzeugende Weise das Erwachsenwerden des Ich-Erzählers dargestellt, der zwischen kindlicher Unbekümmertheit und jugendlichem Liebesglück (und -kummer) sämtliche Stufen des Erwachsenwerdens durchleidet. Zwischen Träumereien und Unfähigkeit zur Kommunikation ist das Buch eine wunderbare Berg-und-Tal-Fahrt der Gefühle, ohne Sentimentalität und mit einer gewissen wohlwollenden Distanz.
Ein durchaus überzeugender Debütroman!
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