Martin Amis ist zweifellos ein talentierter Autor. Er kann erzählen, er hat einen Sinn für Details und interessante Metaphern. Aber noch nie hat er ein Buch geschrieben, das ich vorbehaltlos akzeptieren konnte. Mit seiner Biographie "Die Hauptsachen" ist es nicht anders. Bewegende Passagen über seine Cousine - sie verschwindet 1973, erst 21 Jahre später kommt heraus, daß sie Opfer eines Serienkillers wurde - und das Sterben des Vaters wechseln sich ab mit unerträglich eitlen Selbstbespiegelungen und bloßem Name-dropping. Will ich wirklich alles über seine Zahnoperationen wissen? Nein.
Hinzu kommt, daß Amis assoziativ arbeitet und ständig die Themen wechselt. Das wirkt nicht artistisch, sondern ungeschickt. Er schreibt und urteilt ständig über andere Menschen, ist indiskret nur dann, wenn es um andere geht. Sein eigenes Liebesleben - und leiden bleibt merkwürdig blaß.
So könnte man dieses Buch zuklappen und sich irgendeinem anderen Zeitgenossen zuwenden, wenn, ja wenn da nicht Kingsley Amis wäre, dem Martin ein schönes, liebevolles Denkmal setzt. Und deshalb suche ich jetzt nach Kingsley Amis' Büchern, die noch erhältlich sind. Ich bin neugierig geworden auf diesen alten, saufenden, konservativen, witzigen Autor.
Und Martin? Er wird wohl nie den Booker-Preis bekommen. Den lehnt er (angeblich) ab, doch insgeheim, glaube ich, will er ihn haben. Der Papa hatte ihn schließlich auch.