Die Hauptachsen und wichtigen Eckhäuser (AC, MC, IC und DC) kommen in der Regel in der Anzahl geschriebener Astrologie Bücher zu kurz. Da erwartet man sich von einem Buch mit dem Titel "Die Hauptachsen im Horoskop" einiges.
Ein kleiner Mangel dieses ansonsten durchaus informativen Buches ist, dass es aus der Transkription von Seminaren resultiert, die M. Reinhart gehalten hat.
Ich empfehle freilich dieses Buch, - doch hatte ich oft während des Lesens den Eindrucks einer gewissen Oberflächlichkeit gehabt. Viele Dinge werden gestreift, aber nicht vertieft und wie das bei Seminaren so ist, kommt man rasch von einem Thema zu einem anderen. Dabei sind die behandelten Themen nicht immer sehr tiefgründig behandelt worden, mit zB prägnanten Aussagen oder Beschreibungen.
Gelegentlich werden Progresssionen thematisiert, der Glückspunkte, Transite und viele andere Dinge aus der Praxis angerührt, von der Melanie Reinhart aber auch Teilnehmer berichten. Doch es bleiben eher Streifzüge.
Wie in anderen Büchern sind die Aussagen natürlich zum Teil stark abhängig von der persönlichen Methode der Astrologin/des Astrologen.
Dennoch kann man hier in vielen Dingen, auch solchen die nicht die Hauptachsen betreffen, einiges hinzulernen. So werden IC und MC auch gegenübergestellt behandelt, geht es beim IC um die Bedrohung "aus dem Stamm geworfen zu werden, hilflos zu sein in einer Welt voller Fremde", geht es beim MC um eine andere doch ähnliche erfahrene Bedrohung, dass man "aus der Gesellschaft ausgegrenzt wird".
Solche Aussagen bereichern das astrologische Verständnis, bieten Anknüpfpunkte für eigene Erfahrungsbildung und Denkanstöße.
Häuserherrscherbezüge werden nicht genannt (die Frage, die man sich ja oft stellt ist: was mache ich, wenn ich keinen Planeten in einem Haus habe), und also nur vorzugsweise die konkreten Stellungen von Planeten an diesen Hauptachsen, oder Transite über diese Punkte beschrieben.
Erwähnt wird, wenn das IC oder ein anderer Hauptachsenpunkt in einem bestimmten Zeichen steht, was ich erhellend fand.
An anderen Stellen empfand ich die Fragen der Teilnehmer und damit einhergehende Diskussionen bzw. rasche Wechsel der Diskussionsrichtungen als störend, als nicht erhellend. Am besten war es immer, wenn die Autorin selbst aus dem Nähkästchen ihre Berichte gab.
Es gibt aber auch Kapitel, die die Autorin wie einen Aufsatz verfasst hat, also ohne dass diese Texte durch Fragen oder Diskussionen unterbrochen werden. Willkürlich ausgewählte Beispiele, fürs IC: "Persönliche Wurzeln", "Der Vater - der versteckte Elternteil", für den DS: "Trennung", "Gleichberechtigung und der edle Rivale"...
Man sieht, dass Reinhart das IC als Entsprechung für den Vater sieht. Mit einem Kapitel für den MC "Die Mutter - der offensichtliche Elternteil" (und anschliessender Diskussion), wird deutlich, dass Reinhart das MC vor allem als Entsprechung für die Mutter sieht.
(Nach langen Jahren der Beschäftigung mit meinem Horoskop kann ich mich mit dieser Sichtweise mittlerweile sehr anfreunden, obwohl mir der Vergleich eines weiblichen Horoskops fehlt, um zu beurteilen, ob sich dort eventuell die Rollen vertauschen; wenn man Reinhart beim Wort nimmt, ist dem aber nicht so und die Bedeutung des MC als Repräsentant für die Mutter bei beiden Geschlechtern gegeben: "unsere Mutter ist unsere erste Welt", und wenn ich die Autorin recht verstehe, bringt sie das in Zusammenhang mit der Bedeutung des MC als "unseren Platz in der Welt").
Insgesamt ist der Nachmittag durchaus lohnenswert. Die Atmosphäre des Seminars kommt rüber und wirkt irgendwie inspirierend. Man erhält Einblicke - aber es hätte auf jeden Fall auch mehr sein können und manches tiefgreifender, ausdauernder behandelt werden können.