"Der Kaufmann, der als Ritter auftritt, schmückt sich nicht mit fremden Federn, es sind seine eigenen. Der Ritter, der Handel treibt, steigt nicht vom Pferde herab."
(Hans Martin Klinkenberg, 1921- 2002)
Der Leiter der "Forschnungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraumes" in Lübeck, Dr. phil Rolf Hammel-Kiesow veröffentliche die 1. Auflage seines Bandes "Die Hanse" bereits im Jahre 2000. Mittlerweile lehrt der gebürtige Stuttgarter als Honorarprofessor an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel und hat den Vorsitz des "Hansischen Gechichtsvereins" inne....
....was ihn neben Ernst Pitz und (dem timediver® persönlich bekannten) Prof. Dr. Jören Bracker zum renommierten Kreis der Hanse-Spezialisten zählen lässt.
In seiner Einleitung geht der Autor zunächst auf allgemeine Fragen ein. Zum Unterschied der Begriffe "hansisch" und "hanseatisch" merkt er bespielsweise an, das letzterer sich genau genommen nur auf die Geschichte von Lübeck, Hamburg und Bremen seit dem späten 18. Jahrhundert bezieht. Der Begriff "Hanse" leitet sich vom althochdeutschen "Hansa" ab, was Gruppe, Gefolge oder Schar bedeutete. Das heute landläufig bekannte Geschichtsbild beruht auf einem Geschichtsbild des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dies ist jedoch ebenso falsch wie die Bilder von hochbordigen, dreimastigen "Koggen" des 15. Jahrhunderts. Denn Koggen waren ein einmastiger Schiffstyp, der bereits an der Wende vom 14. zum 15, Jahrhundert vom "Holk" abgelöst worden war. Ebenso überholt ist die Vorstellung von einem mächtigen Städtebund, der in der Zeit des Niedergangs des "Heiligen Römischen Reiches" die "deutsche Sache" im Norden Europas zunächst machtvoll vertreten schließlich aber an den Egoismen einzelner Mitgliedstädte zugrunde gegangen sei. Auch sind die Gründe für den Niedergang der Hanse komplexer, als das Ausbleiben der Heringsschwärme vor Schonen oder die Entdeckung Amerikas. Die seit den 1970er Jahre aufgekommene Vorstellung von der "Internationalität der Hanse" beruht hingegen auf eine Projektion der staatlichen und ethnischen Gliederung des heutigen Europas ins Spätmittelalter. Mit den Themenbereichen Verfassungsgeschichte, Personengeschichte, sowie Politik- und Wirtschaftsgeschichte umreisst der Autor die für ihn wichtigsten Neuansätze der Forschung....
....um sich dann in den drei folgenden Kapiteln dezidiert mit den Fragen "Wie entstand die Hanse?", "Wie war die Hande organisiert?" und "Niedergang oder Übergang? Gründe für die Auflösung der Hanse" auseinanderzusetzten. Neben Strukturen und Hintergründen wird der Leser auch mit einem hansischen Fachvokabular vertraut gemacht, wie z. B. den "menensteden des kopmannes van der dudeschen Hanse" (Seite 64), esterlinges, sterlingi, Austrelins (S. 65), negotia ardua et magna (S. 69), Tagfahrt (S. 70), Morgensprache (S. 73) usw. Daneben gibt es noch Bermerkenswertes und Kuriosen, das timediver® besonders aufgefallen ist. Zum Beispiel: Für die hansische Organisation und ihre Führungsgruppe "
Städte und Königtum im frühen 15. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte Sigmunds von Luxemburg" die Bezeichnung "Amigonat" zur Diskussion (S. 84). Die Ultima Ration der Politik der Hansestädte war der Krieg, den sie gegen Waldemar von Dänemark und England führten (S. 96). Das größte Dilemma der Hanse war, dass es unter den komplexer werdenden Verhältnissen des staatlichen und wirtschaftlichen Leben immer schwieriger wurde, einen gemeinsamen Willen zu finden. Die hansische Solidarität wurde zur Ausnahme (S. 97). 1628 entzogen sich die Hansestädte dem Ansinnen der Habsburger, die sie in einen Kaperkrieg hineinziehen wollten (S. 116). Die gemeinsame Vertretung der der "letzten" drei Hansestädte Bremen. Hamburg und Lübeck in Berlin endete erst im Jahr 1920 (S. 119).
Dem Nachwort zur 4. Auflage (2008) folgen umfangreiche Literaturhinweise und ein Register. Die Innenseite der Buchdeckel bieten eine Karte der "Hansestädte, Kontore und Faktoreien vom 13. bis 17. Jahrhundert", und eine Karte der "Städte, die an den letzten Hansetagen teilnahmen".
Der Band "Die Hanse" aus der Reihe "C. H. Wissen" ist für einen wissenchaftlichen Einstieg in die Thematik bestens geeignet und mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
Die Rezension bezieht sich nicht auf das erst im September unter dem selben Titel erschienene Buch von Rolf-Hammel Kiesow, Siegfied Puhle und dem Fotografen Sigdried Wittenburg!!!