Lange hat es gedauert, ehe dieses frühe Werk von Erfolgsregisseur Oliver Stone auf DVD erschienen ist. Um so enttäuschender ist das puritanisch gehaltene Ergebnis: Außer dem Originalton (in Stereo) und der deutschen Synchronfassung (Mono!) beinhaltet diese DVD nichts, sieht man mal von der nervigen Anti-Raubkopierer-Kampagne ganz am Anfang ab. Auch das Bild ist nicht überarbeitet, was durch gelegentliche "Altersflecken" auffällt, die kurz durchs Bild hüpfen. Alles in allem kann man sagen, die Qualität entspricht einer guten VHS-Kassette.
Zur Handlung des Films:
Bei einem Autounfall verliert der Comic-Zeichner Jon Landsdale (Michael Caine) seine rechte Hand. Trotz intensiver Suche ist das abgetrennte Körperteil nicht mehr auffindbar. Landsdales bisheriges Leben gerät aus den Fugen: Er kann seinen Beruf nicht mehr ausüben und seine ohnehin schon marode Ehe zerbricht. Verbittert zieht sich Landsdale in eine nordkalifornische Kleinstadt zurück, wo er fortan mehr oder weniger desinteressierten Schülern Kunstunterricht gibt. Doch dann geschehen mysteriöse Dinge: Landsdales verlorene Hand scheint ein Eigenleben entwickelt zu haben und zu ihrem ehemaligen Besitzer zurückgekehrt zu sein, um fortan jeden zu töten, der den sensiblen Künstler verletzt oder ihm schadet.
1981 drehte Oliver Stone ("JFK", "Natural Born Killers") dieses Psycho-Horror-Drama nach der Novelle "The Lizard's Tail" von Marc Brandel. Der Film weicht jedoch stark von der Literaturvorlage ab und fand beim Publikum nur wenig Anklang. Letzteres liegt vielleicht daran, dass Stones Herangehensweise an das Thema kein klar definierbares Genre erkennen lässt: "Die Hand" ist sowohl ein Horror-Thriller (mit durchaus gelungenen und gezielt eingesetzten Spezialeffekten von Carlo Rambaldi, "Alien"), zum anderen aber auch ein Psychodrama um einen phantasiebegabten Künstler, der irgendwann nicht mehr zwischen Wirklichkeit und Rachephantasien unterscheiden kann. Auch fällt das Ende des Films durchaus mehrdeutig aus: Man kann es sowohl als schlichtes Horrorfinale als auch als Parabel dessen sehen, was in Landsdales Kopf vorgeht - zumindest sehe ich das so.
Michael Caine spielt seine Rolle als sensibler, verletzlicher Künstler mit großer Überzeugungskraft (wie ich gelesen habe, sollte ursprünglich Dustin Hoffman diese Rolle übernehmen). Caine schafft es, beim Zuschauer sowohl Mitleid als auch Abneigung gegenüber Landsdale zu wecken, und somit die Zweigespaltenheit seiner Figur zu vermitteln.
Hinzu kommen eine gute Kameraführung, das interessante Spiel mit Farb- und Schwarzweiß-Technik, sowie passende Beleuchtung und Musik (von James Horner, "Aliens"), welche die geistige Verfassung des Protagonisten zusätzlich betonen, und mitunter eine beklemmende Stimmung schaffen. Das Drehbuch ist durchaus gelungen und kann mit einigen überaus ironischen Dialogen aufwarten, z. B. als Landsdales Frau ihn zu einer Therapie überreden will. Nebenbei kommen auch Fans von Debby "Blondie" Harry mit einer Version von "Union City Blue" auf ihre Kosten. Stone selbst hat in diesem Film übrigens einen kleinen Auftritt als obdachloser Säufer (ebenfalls mit nur einer Hand, so als wollte er uns vielleicht vermitteln, wie viel er mit der Hauptfigur gemeinsam hat - was jetzt natürlich nur frei von mir interpretiert ist).
Ich persönlich mag dieser Film sehr. Sicherlich handelt es sich hier um kein Meisterwerk, aber sehenswert ist "Die Hand" allenfalls. Schade nur, dass Warner ihm keine würdigere DVD-Version zuteil werden ließ.