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Wagemut und Redlichkeit, 4. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Hand über der ganzen Welt: Johann Friedrich Cotta - Der Verleger der deutschen Klassik (Gebundene Ausgabe)
Peter Kaeding hat ein wirklich lesenswertes und spannendes Buch geschrieben. Nicht allein, dass er das Leben des Johann Friedrich Cotta (1764-1832) erzählt, die Einbettung dieses wirkungsmächtigen Verlegers und Unternehmers in seine Zeit bietet darüber hinaus ein wirklich historisches Lesebuch von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu dessen Tod 1832.
Mit welchem unternehmerischen Mut, welcher Ehrlichkeit und Zuversicht dieser Mann über seine damalige Württembergische Heimat hinaus gewirkt hat, ist zum Teil atemberaubend.
Nicht zuletzt als Verleger der beiden Klassiker Schiller und Goethe hat sich dieser politisch liberal denkende Mann Verdienste erworben, sein diplomatisches Geschick und sein politisches und nationales Gespür für die Notwendigkeiten der Zeit lassen ihn über sich hinaus wachsen.
Interessant ist neben dem historischen Rückblick die Einbindung von authentischen Zeugnissen seiner Zeitgenossen, vor denen so manches vertrauliche Wirken verborgen werden musste. Welch wichtige Rolle er bei der Findung des deutschen Nationalstaates einnahm, zeigt der Autor an Hand von historischen Dokumenten und zeitgeschichtlichen Abläufen auf.
Cotta hat Großes gewagt, redlich gehandelt und doch war er auch immer von Misstrauen und Missgunst umgeben. Selbst seine als Freunde betrachtete wichtigsten Autoren Goethe und Schiller fühlten sich stets übervorteilt, obwohl Cotta hier als Verleger aus Verbundenheit mehr als großzügig honorierte.
Stets investierte er in hoffnungsvolle Talente, seien diese nun literarisch, wissenschaftlich oder politisch angelegt. Rückschläge und Verluste konnten diesen Unternehmer und Freigeist nicht aufhalten; seinen verlegerischen Codex und seine ökonomische Risikobereitschaft sucht man heute wohl vergebens.
Ein von der ersten bis zur letzten Zeile spannendes und lesenswertes Buch, das in keiner Bibliothek fehlen sollte.
Karin Ellermann
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4.0 von 5 Sternen
Immer "in Eil": Ein Unternehmer der Aufklärung, 18. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Hand über der ganzen Welt: Johann Friedrich Cotta - Der Verleger der deutschen Klassik (Gebundene Ausgabe)
Schiller, Goethe, Herder, Hölderlin, Kleist, Heine, Fichte, Schelling, Alexander von Humboldt. Er hat sie alle verlegt und damit die Cotta'sche Verlagsbuchhandlung in Tübingen und später in Stuttgart zu Weltruhm geführt. Er war immer "in Eil", entfaltete unermüdlich eine Vielzahl von Tätigkeiten und eröffnete sich neue Geschäftsfelder, die ihn nicht nur zu Ruhm, Ansehen und Reichtum verhalfen, sondern ihn zu einem der einflußreichsten Unternehmer seiner Zeit werden ließen: Johann Friedrich Cotta, 1764 - 1832.
Rechtzeitig zum 350-jährigen Cotta-Verlags-Jubiläum erschien eine erste umfassende Biographie seines wohl bedeutendsten Vertreters, die den Weg Cottas vom kleinen Verlagsbuchhändler zum einflußreichen Unternehmer nachzeichnet. Kenntnisreich und äußerst detailliert schildert Peter Kaeding diesen Weg. Penibel geanu rekonstruiert er die Verhandlungen zwischen Verleger und Autoren. Man erfährt, wieviele Louisdor, wieviele Taler, wieviele Heller für wieviele Bögen Manuskript gezahlt wurden, mit welchen Bitten um Vorschüsse und andere Zuzahlungen die Autoren an Cotta herantraten, welche zusätzlichen Zuwendungen dieser ausschüttete und wie der Verkauf der Bücher und Zeitschriften verlief. Auch wenn man ahnt, welcher Arbeitsaufwand hinter diesen Recherchen steckt, werden diese Informationen nach der Beschreibung der x-ten Vertragsverhandlung ermüdend und überflüssig.
Auf jeden Fall könnte man sich fast schwindlig lesen an diesem aktiven, unternehmerischen Leben in politisch so schwierigen Zeiten und auch wenn die Frage unbeantwortet bleibt, was Cotta angetrieben und motiviert hat, so ist diese detailreiche Biograhie, in der eine fast buchhalterische Auflistung aller Tätigkeiten im Zentrum steht, vermutlich ein recht genaues Spiegelbild seines umtriebigen Lebens, in dem der ökonomische Erfolg kein Ziel an sich ist, sondern immer durch seinen Inhalt ausbalanciert wird. In seiner Tätigkeit als Verleger tritt dieser Balanceakt am augenfälligsten zutage und genau das zu zeigen, ist das Anliegen des Autors. Wie schon in seinen Biographien über August von Kotzebue (1985) und Adolph von Knigge (1991) zeigt Kaeding auch hier eine gewisse ironische Distanz, mit der er vor allem dem ewigen Widerstreit zwischen Ökonomie und geistigem Anspruch begegnet. Und: was immer man über Cotta wissen kann, in dieser Biographie ist es zu finden.
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