Die "Haischwimmerin" ist nach der früheren, preisgekrönten und mehrfach ausgezeichneten Serie um Kommissar Cheng nun der aktuelle Roman um die Protagonistin 'Lilli Steinbeck'. Erneut demonstriert Heinrich Steinfest seinen äußerst aussergewöhnlichen und für Krimis a-typischen Sinn für eine originelle, kurzweilige und unterhaltsame Story, skurrile Schauplätze und Personen, da er auf Realismus und Glaubwürdigkeit und Authentizität der Handlung in weiten Teilen verzichtet, stattdessen lieber eine faszinierend kuriose Welt liebevoll skizziert, die märchenhaft schön anmutet:
In ihrer frühen Jugend war die exzentrisch extrovertierte, stets modebewusste und sympathische, vielleicht sogar naiv anmutende Lilli Steinbeck mit Ivo zusammen, bis ein tragisches Schicksal die beiden für immer trennen sollte. Zwei Jahrzehnte später arbeitet sie als Kommissarin, er hingegen versteht sich wie kein zweiter darauf, als Baumpfleger zu arbeiten, da er gewissermassen die 'Bedürfnisse von Bäumen' versteht. Und aufgrund seines einzigartigen, grünen Daumens soll er im Auftrag eines pharmazeutischen Unternehmens eine bislang unbekannten Lärchen-Art aus 'Russland-Fernost' nach Deutschland bringen, da man sich für die Medizin spektakuläre Ergebnisse aus einem Zapfen-Extrakt erhofft. Dort angekommen, bemerkt er, dass der Auftrag mehr als nur einen Haken hat und der Baum-'Export' sich schwieriger gestaltet, als anfänglich angenommen. Seine Reise führt ihn in eine in einem alten, russischen Höhlensystem gegründete, unterirdische Kleinstadt voller Verbrecher - und just dort soll Lilli Steinbeck gerade ungewöhnliche Mordfälle aufklären. Wohin wird diese aussergewöhnliche Reise Ivo und Lilli noch führen?
Auch wenn die "Haischwimmerin" klassische Krimi-Attribute besitzt - darunter auch Mord und Totschlag - ist dieser Roman entzückend anders: denn Steinfest kümmert sich nicht um Konventionen und Realismus, mit poetisch anmutender Sprache, beissendem und charmantem Wortwitz und skurrilen Metaphern skizziert er in weiten Teilen eine kleine, verträumt märchenhafte Fantasiewelt mit äußerst kauzigen Figuren. Die Handlung wirkt damit bewusst unglaubwürdig, aber die menschlichen Schwächen, die Gedanken und Emotionen der Protagonisten hingegen wirken jedem doch bekannt und vertraut. Damit ein absolut origineller, durchaus spannender, extrem humorvoller und sogar poetischer, manchesmal sogar lyrischer, sehr andersartiger und märchenhaft schöner Krimi jenseits klassischer Genre-Definitionen - eben ein klassischer 'Steinfest'. Wer ihn noch nicht kennt, sollte aufgrund dieser immensen Andersartigkeit einen langen Blick in das Buch wagen, denn klassische Krimi-Konsumenten könnten irritiert sein aufgrund der sagenhaft skurrilen Surrealität.