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Die Haarschublade
 
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Die Haarschublade [Gebundene Ausgabe]

Emmanuelle Pagano , Nathalie Mälzer-Semlinger
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Verlag Klaus Wagenbach; Auflage: 1. (18. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 380313224X
  • ISBN-13: 978-3803132246
  • Originaltitel: Le tiroir à cheveux
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 40.486 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Emmanuelle Pagano
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

'Die Haarschublade' erzählt eine kleine Geschichte von kleinen Leuten, die einen deshalb so packt, weil die Erzählerin dieses reichlich unperfekte Leben ziemlich perfekt darstellt: mit ihrem reduzierten Sprachduktus, mit ihren schlauen Montagetechnik, mit ihrer Vorsicht den Figuren gegenüber. Die junge Frau, die nichts vom Leben versteht - sie ist wie sie ist, aber sie hat bei Emmanuelle Pagano das Schönste, Beste, Wahrste verdient. Am Ende ist man geradezu verzaubert - von dem Respekt und der Wärme, die Emmanuelle Pagano mit Hilfe ihrer Kunst ihrer Heldin angedeihen lässt. (Ulrich Noller, WDR)

Narben erzählen etwas. Sie erinnern an Menschen, an Orte, an Unglücke. Sie sind der Beweis dafür, dass man eine Geschichte hat, der Beweis dafür, dass Verletzungen heilen können. Narben sind überstandener Schmerz. Die offenen Wunden fühlen sich gewaltig an beim Lesen der Geschichte einer jungen Französin, die mit nur 14 Jahren ein schwerbehindertes Kind zur Welt bringt und damit Unordnung in eine Dorftristesse, in der die Vorhänge der Nachbarn zugezogen sind. Ist dieses Kind Pierre eine Narbe, die man stolz seinen Freunden präsentieren kann? Oder ist Scham angebracht? Emanuelle Pagano lässt eine junge Mutter zu Wort kommen, die es gewohnt ist, Probleme mit sich allein auszumachen. Die Sprache der 40-Jährigen ist unheimlich klar. Schnörkellos legt sie die Gedanken der Mutter offen. Beim Lesen fühlt man sich als unerwünschter Beobachter. Das Hinschauen schmerzt auf einigen Seiten so sehr, dass man sich kaum traut, umzublättern. Man möchte das Buch zuklappen, endlich weggucken, doch wagt man nicht, diese Frau allein mit ihrem Schicksal zurückzulassen. (Juliane Primus, Tagesspiegel)

'Die Haarschublade' erzählt eine kleine Geschichte von kleinen Leuten, die einen deshalb so packt, weil die Erzählerin dieses reichlich unperfekte Leben ziemlich perfekt darstellt: mit ihrem reduzierten Sprachduktus, mit ihren schlauen Montagetechnik, mit ihrer Vorsicht den Figuren gegenüber. Die junge Frau, die nichts vom Leben versteht - sie ist wie sie ist, aber sie hat bei Emmanuelle Pagano das Schönste, Beste, Wahrste verdient. Am Ende ist man geradezu verzaubert - von dem Respekt und der Wärme, die Emmanuelle Pagano mit Hilfe ihrer Kunst ihrer Heldin angedeihen lässt. Ulrich Noller, WDR (Ulrich Noller, WDR)

Kurzbeschreibung

Mit der Schule war natürlich Schluss, als das erste Kind zur Welt kam. Ihre Chance auf ein normales Leben dahin. Nun arbeitet sie als Aushilfe in einem Friseurgeschäft, um etwas Geld dazu zu verdienen, und auch, um sich dem Alltag mit Titouan und Pierre wenigstens vorübergehend zu entwinden. Außerdem mag sie Haare, nicht nur die ihrer Söhne. Der jüngere ist ein zappliger Kobold, der ältere lebt still in einer eigenen, fremden Welt. Ohne Selbstmitleid und Bitterkeit sorgt und lebt und liebt sie, Tag um Tag. Fraglos haben ihre Eltern und manche andere in dem Provinzort eine Meinung zu all dem - und eine Lösung parat. Doch entscheiden muß sie sich allein. In diesem Buch stellt sich Emmanuelle Pagano erneut einem existenziellen Thema: Minimalistisch, präzise und pur erzählt sie die Geschichte einer Liebe ohne Echo.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Jakobsweg der Sprache 30. November 2009
Von Rolf Blatzheim VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Ich kann mich der vorausgehenden Rezension von Heike Geilen nur anschließen. Emmanuelle Pagano autobiografische Erzählung ist ein unsentimental realistischer Bericht aus dem Lebensinnern der Sprachlosigkeit, wo Licht und Dunkel sich gegenseitig umarmen ohne dabei pessimistisch zu verflachen. Das Buch besteht aus einer Schnittfolge kurzer sprachlicher Schraffuren. Sie sind im Charakter teils erinnernd, teils gegenwartsbezogen, wobei das Tempo jählings wechselt wie die Gefühle und Gedanken der zeitweise verwilderten und mitunter knallharten jungen Solipsistin, abgebildet in der Traurigkeit der südfranzösischen Provinz. Sie ist besessen von Haaren -: die ihrer Kinder, vorübergehender Liebhaber oder die der Kundschaft im Frisiersalon. Eine eigene Haarsträhne wird zum Fetisch, den sie in der Nachttischschublade versteckt.

Emmanuelle Paganos Ich-Erzählung ist aus dem Blickwinkel einer Nachbarin gespiegelt und bekundet in einem Nachwort ihre literarische Scham, mit der das Werk ein authentisches Leben in ihrer nächsten Umgebung literarisch "ausgebeutet" habe. Ein strenger Maßstab, das muss man sagen. Dabei hat sie es doch in ihrer schlüssigen sprachlichen und gedanklichen Anverwandlung vielmehr erhoben. Kompositorisch setzt sie gekonnt jene Rollenprosa eines nur scheinbar schlichten Herzens und Kopfes ein, deren ganzheitlichen Ton sie beschwört und zugunsten poetischer Überhöhungen verlässt, was an sprachlichen Metaphern wie -: Ihr Lächeln sinkt unter den Tisch - ein kleiner Luftmond wandert durch meinen Bauch - der mit schmutzigen Gewässern durchtränkte September oder Augen, die hinter Wolken versteckt bleiben - festgemacht wird.

Es mag gewagt und zu viel des Guten sein, wenn auf die schlichte, bodenständige und handfeste Nachbarin in manchen Augenblicken zu viel von Paganos eigener Sprachmächtigkeit übertragen wird. Doch Paganos umsichtige Poesie, mit der sie sich vor allem selbst intensiv in die Arme nimmt und spürt, beschreibt die Menschen in ihrem Werk - im Fokus natürlich die Nachbarin als sie selbst - ohne persönliche Grenzen zu überschreiten möglichst ganzheitlich und erfasst deren Gefühle, versteht sie, ohne diese jedoch notwendigerweise zu teilen und wird sich damit trotzdem über deren Verstehen und Handeln klar. Die menschliche Würde und der trockene, schmucklose Stolz der Protagonistin bleibt immer gewahrt und sie schützt ihre Heldin - man kann dieses Prädikat nun wirklich verwenden - gegen einen literarischen Zugriff, der bevormundend immer in Gefahr ist, bei der Hinwendung des Intellektuellen zu einem nach landläufiger Begrifflichkeit gewöhnlichen Menschen gönnerhaft und sentimental zu werden. Welch ein Glück ...
War diese Rezension für Sie hilfreich?
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das "Blödchen vom Dienst" 4. September 2009
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Dem beeindruckenden kleinen Buch der französischen Autorin Emmanuelle Pagano wurde gerade der Europäische Literaturpreis für aufstrebende Talente verliehen. Darin verarbeitet sie Erinnerungen an ihre eigene Jugend, an ihre damalige Nachbarin, eine sehr junge Mutter, die mit 15 ihr erstes - ein behindertes - Kind bekommt.

Paganos Protagonistin lebt in der Gendarmeriekaserne eines südfranzösischen Dorfes, in der ihr Vater seinen Dienst versieht. Die Welt ist eng in dieser kleinen Gemeinde und klar strukturiert. Pünktlichkeit und Sauberkeit sind die einzigen Lebensregeln, die Meinung der Nachbarn, das Maß der Dinge. Aus Sicht der namenlos bleibenden Ich-Erzählerin erfährt der Leser wie es zu diesem "Missgeschick" kommen konnte, von dem die Eltern des Mädchens erst in Kenntnis gesetzt werden, als es um die Zustimmung zum Kaiserschnitt geht. Ihre Schwangerschaft bewältigt sie vollkommen auf sich allein gestellt. Medizinische geschweige denn seelische Unterstützung erfährt sie nicht. Die Chance auf ein normales Leben ist fortan passé für sie. Ein gewaltsamer Ausbruchversuch aus der seelenlosen Monotonie ihres Lebens endet in einer erneuten Schwangerschaft.

Emmanuelle Pagano, die sich als gelegentlich freundlich zulächelnde, aber ansonsten stumme, immer mit einem Buch in der Hand auf den Treppenstufen sitzende Nachbarin, selbst in das Buch hineingeschrieben hat, thematisiert damit auch ihr Bedauern, diese junge Mutter, die nur ein paar Haustüren weiter wohnte, nie unterstützt zu haben. Doch das junge Mädchen stellt sich ihrem "verpfuschten" Leben. Sie beginnt als Hilfskraft in einem Frisiersalon, nimmt sich eine kleine Wohnung und zieht ihre zwei Söhne allein auf. Als ihre Mutter einen Heimplatz für den mittlerweile fünfjährigen behinderten Pierre organisiert hat, gilt es eine persönliche Entscheidung zu treffen.

"Die Haarschublade", so scheint es auf den ersten Blick, ist ein resignativer und höchst beklemmender Roman. Paganos direkte Sprache, die übrigens wunderbar von Nathalie Mälzer-Semlinger ins Deutsche übertragen wurde, tut ein Übriges dazu. Die kurzen, einfachen Sätze der Ich-Erzählerin kumulieren geradezu die Einsamkeit und Malaise, in der sie sich befindet und offenbaren auf geradezu erschreckende Art und Weise die Einschränkung ihres sozialen und persönlichen Horizontes durch das "Gefängnis ihrer Jugend". Doch weit gefehlt. An und mit ihren Kindern wächst und reift die junge Frau und erkennt langsam, dass es so etwas wie ein liebevolles und wohlwollendes Verhältnis zur Umwelt geben kann. Der Leser schließt dieses Mädchen, das nie gelernt hat, sich zu artikulieren, unwillkürlich in sein Herz. Und ihr Haartick wird umso verständlicher, wenn man den Erklärungen der Autorin in einem Interview folgt: "Für mich war das Haare schneiden eine Möglichkeit, ihre Gefühle und ihr Verhältnis zur Außenwelt zu beschreiben, wie ich es sonst nicht geschafft hätte. Ich beschreibe oft Gefühle über Gesten und Handlungen." Der dritte Roman der französischen Autorin ist also keineswegs eine fatalistische Erzählung, sondern ein durch und durch optimistischer und höchst menschlicher Glücksfall.

Fazit:
"Schreiben heißt zu versuchen, die Narben zu öffnen, sie aufzukratzen, auch wenn das ein wenig schmerzt", sagt Pagano. Diese Selbstkasteiung ist der französischen Autorin auf beeindruckende Weise gelungen. Die einfache, minimalistische und präzise kleine Erzählung einer jungen, alleinerziehenden Mutter, ihres alltäglichen, aber keineswegs gewöhnlichen Lebens und ihres ebenso kleinen, aber dadurch wiederum großen Glücks geht tief unter die Haut.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
In der Kürze liegt die Würze 21. Dezember 2009
Von J. Wojcik
Format:Gebundene Ausgabe
Eine namenslose alleinerziehende Mutter, ihre zwei Kinder und der Alltag dieser kleinen Familie bilden den sehr minimalistisch gehaltenen Rahmen dieser Geschichte. Sie ist in einer beeindruckenden und erdrückenden Erzählweise verfasst. Wörtliche Rede sucht man vergebens. Kurze, schnörkellose Sätze erzeugen eine dichte Atmosphäre. Offensichtliche Emotionen aber findet man kaum - man beobachtet und fühlt sich schlecht.

Hier wird das Leben einer sehr jungen Mutter in einzelnen Kapiteln rückblickend von ihr selbst aufgearbeitet. Ihre erste Schwangerschaft, die sie aus der Not heraus zu verbergen versucht hat und der hohe Preis den sie und das Kind dafür zahlen mussten. Ihre zweite Schwangerschaft, die ebenfalls aus schlimmsten Umständen heraus "passierte", der sie sich jedoch stellte. Ihr Umfeld, ihre Eltern, die gesellschaftlichen Konventionen sind nur schwer mit ihren Umständen in Einklang zu bringen. Und das spürt der Leser.

Dem Lesesog mag man sich ab der ersten Seite kaum entziehen. Das ist auch nicht notwendig, denn mit den knapp 130 Seiten (in großzügig gehaltener Schriftgröße) und vielen kurzen Kapiteln, ist das Buch rasch ausgelesen. Allerdings, und das mag vielleicht an der knappen Handlung liegen, bleiben manche Ansätze eben auch nur Ansätze. Großartig umgesetzt ist die spät einsetzende aber dafür umso kräftigere Mutterliebe der Ich-Erzählerin zu ihrem behinderten Kind. Es ist ein respektvoller Blick auf das Handeln der Mutter. Sie kämpft in allen Situationen. Das es jedoch auch Situationen gibt (geben muss), in denen ein Mensch an seine Grenzen stößt, in denen die pure Verzweiflung steckt, diese werden in einem Akt der Bewunderung und aus Respekt der Mutter gegenüber nur rudimentär beleuchtet.

Fazit: Dieses Buch setzt den Alltag einer alleinerziehenden Mutter mit einem behinderten und einem gesunden Kind sehr ergreifend und sehr menschlich in Szene, stets mit einem klärenden Blick auf den Hintergrund der Ich-Erzählerin. Und nicht zuletzt ist es der Epilog, der die Story in ein interessantes Licht rückt.
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