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Doch so schlimm braucht die Zukunft nicht zu werden. Schaffen wir es, die fossilen Energieträger durch Wasserstoff zu ersetzen, fallen gleichzeitig die bisherigen zentralistischen Strukturen der Energieversorgung. Monopole ade! Mithilfe von Brennstoffzellen könnten die Endverbraucher ihren Strom selbst erzeugen. Rifkin schwärmt von einem neuen dezentralen Energienetz analog dem World Wide Web, in dem die Bürger ihren Wasserstoffstrom teilen. "Energy-sharing auf Augenhöhe würde die Macht der Energiekonzerne für immer brechen", ist Rifkin überzeugt. Er verspricht sich durch den neuen Rohstoff nicht zuletzt eine gerechtere Weltwirtschaft. Doch damit es dazu kommt, müssen, so der renommierte Vordenker, die Weichen schon heute richtig gestellt werden. Denn noch hapert es an einer kostengünstigen und umweltschonenden Möglichkeit das Gas zu erzeugen. Man müsste es mithilfe von erneuerbaren Energien herstellen, damit die Sache Sinn macht.
Rifkins neues Buch kommt zur rechten Zeit: Noch vor kurzem war Klimawandel kaum ein Thema. Seine idealistische These, penibel recherchiert und faktengespickt wie üblich, ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion. Andere Experten wie Hartmut Graßl setzen eher auf direkte Nutzung von Sonnenenergie, propagieren im Gegensatz zu Rifkin und seiner H2-Revolution ein "solares Zeitalter". Welcher Weg der gangbare ist, wird sich zeigen -- Rifkins Argumentation stützt sich stark auf die Annahme, dass Wasserstoff einmal extrem günstig erzeugt werden kann. --Sylvia Englert -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Rifkin, der Prediger der letzten Tage der fossilen Hochkultur, kündet in seinem sechzehnten Buch vom Segen des Wasserstoffs für alles Irdische. Tief in die Gesellschaftsstruktur wird der Urstoff des Universums wirken: Zum ersten Mal in der Geschichte wird eine wirklich demokratische, dezentrale Form menschlichen Zusammenlebens denkbar. Selbst das Konzept des Nationalstaats wird disponibel, denn es ist eine Erfindung der Kohlenwasserstoffära. Rifkin, der "Intellektuelle und Querdenker" (Klappentext), kennt längst die Weichenstellung für die Zukunft: Die geopolitische Zersplitterung, welche die gesamte Ära der fossilen Brennstoffe prägte, wird im Wasserstoffzeitalter einer biosphärischen Politik weichen. Und etwas esoterischer gewendet: Wir werden uns selbst als Teil eines gesamtweltlichen Organismus erleben.
Immerhin: Für die Rohstoffkrise, die Rifkin daherkommen lässt wie einen Reiter der Apokalypse, sprechen handfeste Fakten. Versiegt der Fluss billigen Erdöls aus den unterirdischen Lagerstätten, geraten unsere Volkswirtschaften aus dem Tritt. Elektrischer Strom wird knapp, die Industrieproduktion wird heruntergefahren, und die Menschen frieren in ihren Häusern. Selbst die Mägen bleiben leer: Zwischen Acker und amerikanischem Supermarktregal verschlingt die Versorgung mit Lebensmitteln, dank hochmotorisierter Landwirtschaft und ressourcenzehrender Lebensmittelproduktion und Distribution, siebzehn Prozent der in den USA erzeugten Energie. Die Räder stehen ohnehin still: Mehr als die Hälfte des amerikanischen Ölkonsums wird in Fahrzeugmotoren verfeuert.
Neue Studien datieren den Zeitpunkt dieses Szenarios in die nahe Zukunft, warnt Rifkin, Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends in Washington, in seinem neuen Buch. Nach gerade einmal zehn Generationen, welche die Energieschätze unserer Erde hemmungslos plündern konnten, kündigt sich schon das Ende des fossilen Zeitalters an. Möglicherweise ist das Fördermaximum von Erdöl bereits im Jahr 2010 erreicht: Dann ist die Hälfte des globalen Förderpotenzials erschöpft, ab diesem Zeitpunkt nimmt nur noch der Mangel zu. Der Abbau von Ölschiefer ist unrentabel, und die Erdgasvorräte sind begrenzt. Knappheit, steigende Preise und unsichere Lieferungen angesichts der instabilen Lage im Nahen Osten werden die Folge sein.
Dem Ende des Kohlenwasserstoffzeit-alters hält Rifkin seine Vision der "Wasserstoffwirtschaft" entgegen. Schon der Buchumschlag in glutfarbenem Orange verkündet die Botschaft: Wasserstoff ist der Brennstoff der Sonne, die saubere und unbegrenzte Energie. Bereits jetzt werden vier Milliarden Kubikmeter Wasserstoff jährlich produziert, allerdings vor allem mit Hilfe der umweltschädlichen Dampfreformierung aus Erdgas. Die hocheffiziente Elektrolyse scheitert bislang an den hohen Stromkosten; zum Durchbruch wird ihr erst die gebündelte Nutzung von Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme verhelfen, so Rifkins Hoffnung. Direkt vor Ort sollen die erneuerbaren Energien zur Produktion von Wasserstoff genutzt werden. Mittels kleiner, dezentraler Brennstoffzellen - mal transportabel, mal stationär - erzeugen Energiekonsumenten ihren Strom selbst, so viel sie brauchen und wann sie ihn brauchen. Eine saubere Sache: Übrig bleiben nur reines Wasser und Wärme, die sogar zum Heizen verwendet werden kann.
In Rifkins Vision wachsen die vielen Minikraftwerke, verbunden durch ein intelligentes Computernetz, zu einem leistungsfähigen weltweiten Energienetz zusammen. Millionen kleiner Brennstoffzel-leninhaber werden den Strom vor Ort dann billiger erzeugen können als die Versorgungsriesen mit ihren großen Kraftwerken. Selbst Autos werden sich, als Mini-Kraftwerke, im Wasserstoffnetz nützlich machen können. Wenn eine Flotte von fünfzig Millionen mit Brennstoffzellen ausgerüsteter Fahrzeuge ans allgemeine Stromnetz angeschlossen wird - Autos stehen während 96 Prozent ihrer Lebenszeit ungenutzt herum -, produziert sie so viel Strom wie das gesamte derzeitige Versorgungsnetz der USA.
Ein amerikanischer Traum: jedes Auto unverzichtbarer Bestandteil der Gesellschaft, Unabhängigkeit von den Golfstaaten und eine gerechte Weltwirtschaft von Washingtons Gnaden. Und nur darum geht es. Damit der Leser dies auch wirklich versteht, schickt ihn Rifkin in die Wüste, wo unter dem Sand die weltweit größten Reichtümer an Schwarzem Gold lagern. Wer die Bedeutung der politischen Verhältnisse im Nahen Osten für die globale Energieversorgung zutreffend einschätzen will, müsse den Islam aus der Binnenperspektive kennen.
So beginnt Rifkin seine eigentlich verdienstvolle Einführung in die arabische Kultur. Doch sein aufklärerischer Eifer findet ein schnelles Ende. "Die muslimische Antwort auf die Globalisierung [ist] die Errichtung eines weltumspannenden islamischen Staates", erfährt der Leser schon in der Einleitung des entsprechenden Kapitels. Dass der offene Konflikt und der Kampf zwischen den Kulturen ohnehin nicht zu vermeiden sei, liest er im Schlusssatz. Trotz basisdemokratischen Wasserstoffs, so erkennt er bitter, muss selbst ein gesamtweltlicher Organismus eine Immunabwehr gegen Fremdkörper errichten.
Am Ende lässt der Prophet seine Jünger im Stich. Allein gelassen wie zuvor schreiten sie durch das irdische Tal der Tränen, der Finanzierungsprobleme, der ungelösten technischen Fragen und der politischen und ökonomischen Sach- und Machtzwänge. Auch das 16. Buch Rifkin kennt keine Erlösung.
Thilo Körkel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Ab dem Kapitel 8 wird die Vision einer Gesellschaftsordnung geschildert, die ihre Energie aus regenerativ erzeugtem Wasserstoff bezieht. Leider bleibt diese Vision recht schwammig und ungenau. Ich als Ingenieur hätte mir mehr Details zur Erzeugung und Verteilung des Wasserstoffs gewünscht. Mögliche Lösungen der derzeitigen Probleme bei der Lagerung und Handhabung des Wasserstoffs kommen in dem Buch ebenfalls zu kurz.
Als besonders störend empfand ich das mangelnde physikalische Wissen, das der Autor an den Tag legt, und was offenbar durch die Übersetzung von Brigitte Kleidt nicht besser wurde. Ein Beispiel: Seite 47: "..., dann lässt sich Kraft als 'Durchflussrate nutzbarer Energie' definieren." Dem Techniker sträuben sich die Haare, "Leistung" statt "Kraft" wäre hier physikalisch korrekt gewesen.
Ein weiteres Beispiel: Seite 179: "Chips benötigen zudem eine hohe Spannung, normale PCs etwa 1000 Watt. Der amerikanische Durchschnitts-User surft [...] zwölf Stunden die Woche [...], in dieser Zeit 'frisst' sein Rechner gut 1000 Kilowattstunden [...]." Die Spannung in Watt anzugeben und das Prefix Kilo- für den Faktor 12 zu verwenden sind bezeichnend für die physikalischen Rechenbeispiele in diesem Buch.
Sehr häufig werden auch die Einheiten Watt und Wattstunde für Leistung bzw. Energie verwechselt, was sehr unschön ist und obendrein das Verständnis des Textes manchmal schwierig macht.
Trotz der Schwächen im zweiten Drittel des Buches habe ich seine Lektüre nicht bereut. Die umfangreiche und gut gelungene Einführung ins Thema wiegt die Unschönheiten auf.
Das Buch hat meine Sichtweise auf unsere Welt verändert und lässt das aktuelle politische Geschehen durch den vermittelten Blick hinter die Kulissen in einem neuen Licht erscheinen.
Deshalb gibt es von mir drei Sterne.
Das ist schade, denn das Konzept Wasserstoff an sich hat wirklich viel für sich: Wasserstoff, vergleichbar mit Benzin, scheint der ideale Energieträger der Zukunft zu sein. Er betreibt die Brennstoffzelle, ergibt als Abgas Wasser, macht Autos lautlos und umweltfreundlich und ist unbegrenzt verfügbar. Was Rifkin nicht zur Genüge löst, ist die Produktion von Wasserstoff: H2 ist Energieträger, aber keine Energiequelle wie Öl. Im Nebensatz erwähnt er, dass Wasserstoff heute fast ausschließlich aus dem fossilen Erdgas gewonnen wird. Das überrascht, scheint Rifkin bei seiner "Revolution" aber nicht zu stören. Hier hätte er eingehend auf Sonnen-, Wind- und Wasserenergie eingehen sollen sowie die Wege, wie Wasserstoff damit wirtschaftlich und wirklich umweltneutral produziert werden kann. Dann konstruiert er das große Konzept vom Paradigmenwechsel und von der "Demokratisierung" der Energieerzeugung, aber er erklärt nicht, wie sich die Dritte Welt die Anlagen und Pipelines zur Wasserstoff-Produktion leisten soll. Es ist nicht nachvollziehbar, wieso die großen Öl-Multis von heute nicht auch die Wasserstoff-Multis von morgen sein werden, investiert wird nämlich schon fleißig. Schließlich ist der gefährliche Transport bislang unzulänglich gelöst - eine Feststellung, die Rifkin einfach im Raum stehen lässt.
Fazit: Man bekommt nicht das, was drauf steht und was man wissen will. Es sind sicherlich auch gute und unkonventionelle Ansätze dabei, aber insgesamt lässt dieses Buch einfach zu viele Fragen ungelöst. Das ist schade, denn es gibt nur relativ wenig Literatur zu diesem wichtigen Thema.
Im übrigen ist auch bei dem Thema Wasserstoff Skepsis angebracht. Er muss immerhin erst unter Energieeinsatz erzeugt werden und steht uns nicht wie die fossilen Brennstoffe in gewissen Vorräten zu Verfügung.. Ich erinnere mich gerne an die Visionen der 80 er Jahre, als man uns weis machen wollte, dass wir in 20 Jahren Ozeane von Erdöl in Form der Fusionsenergie haben werden. Seltsamerweise spricht heute niemand mehr davon. Schließlich kann es uns fast egal sein, ob abgasgereinigte Verbrennungsautomobilemotoren oder H2-Automobile unsere Städte verstopfen und die Bevölkerung dezimieren.
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