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Die Höllenfahrt. Das Gesetz der Magie 01.: BD 1 [Taschenbuch]

Holly Lisle , Michaela Link
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Holly Lisle wurde 1960 in Salem, Ohio, geboren und war mit ihrer Familie überall in den USA, in Costa Rica und Guatemala unterwegs. Sie war als vielseitige Musikkünstlerin und Zeichnerin tätig, bevor sie sich in enger Zusammenarbeit mit Marion Zimmer Bradley auf das Schreiben konzentrierte und schon bald ihre ersten Erfolge als Autorin feierte. Sie schreibt derzeit an einer Krimireihe und neuen Fantasy-Romanen.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ballahara, Nuue, Oria

Als Molly McColl erwachte, war es dunkel – und mehrere Männer zerrten sie aus ihrem Bett und zur Tür ihres Schlafzimmers. Die Tür erglühte in einem beängstigenden, grünen Licht.
Sie verschwendete keine Zeit darauf zu schreien; sie wehrte sich. Sie trat beherzt zu; es fühlte sich an, als hätte sie gegen einen Stein getreten, aber sie hörte das befriedigende Bersten von Knochen unter ihrem Fuß und anschließend einen schrillen Schmerzensschrei. Sie rammte einem anderen Mann ihren rechten Ellbogen in die Rippen und in den Magen und konnte ihre Hand aus den dünnen, heißen starken Fingern des Mannes befreien, der sie von hinten festhielt. Dann drehte sie sich um und biss in die Finger, die ihr linkes Handgelenk umklammerten, und wurde mit einem Aufheulen belohnt. Sie kratzte, sie trat um sich, sie biss und kämpfte mit jedem Trick, der ihr zur Verfügung stand, und mit der ganzen Kraft ihres Körpers und der Angst und dem Zorn, die in ihr tobten.
Aber die Männer waren in der Überzahl, und obwohl sie diejenigen, die sie verletzt hatte, zusammengekrümmt auf dem Boden liegen sah, zerrten die übrigen ihrer Angreifer sie nach wie vor auf diese Mauer aus Feuer zu. Sie schrie, aber als die Gruppe hoch gewachsener Männer um sie herum sie in die Flammen hineindrängte, erstarb ihr Schrei und mit ihm alle anderen Geräusche.
Kein Schmerz. Keine Hitze. Die Flammen, die über ihre Haut strichen, verletzten sie nicht – im Gegenteil, das kalte Feuer fühlte sich wunderbar an, es war erfrischend und belebend gleichzeitig. Während ihre Entführer sie mit Gewalt in den gewölbten pulsierenden Tunnel zerrten, flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf »Ja«. In der Sekunde – oder der Ewigkeit –, in der sie an jenem seltsamen Ort schwebte, hielt niemand sie fest, niemand versuchte, ihr wehzutun, und zum ersten Mal seit langer Zeit löste sich aller Schmerz in ihrem Körper vollkommen auf.
Sie hatte keine Ahnung, was das alles zu bedeuten hatte; auf der einen Seite hatte sie das Gefühl, um ihr Leben kämpfen zu müssen, und auf der anderen Seite kam es ihr so vor, als bewege sie sich in etwas ganz und gar Wunderbares hinein.
Und dann wurde sie aus dem Tunnel grünen Feuers in eine Welt aus Eis und Schnee und Dunkelheit katapultiert, und alle Zweifel waren vergessen. Die Männer hielten sie nach wie vor gefangen, und einer von ihnen rief jetzt: »Holt Seile und einen Wagen – sie hat Paith und Kevrad und Tajaro verletzt. Wir werden sie fesseln müssen.« Sie steckte in Schwierigkeiten; was immer hier vorging, es konnte nichts Gutes dabei herauskommen.
»Es sind nur zwei Leguas bis zum Kupferhaus.«
»Das wird ihr genügen, um einen von uns umzubringen. Fesselt sie.«
»Aber der Imallin hat gesagt, sie dürfe nicht verletzt werden.«
Jetzt griffen andere Hände nach ihr, hielten ihre Füße fest, umklammerten ihre Ellbogen und Handgelenke, die Knie und die Waden.
»Du sollst sie auch nicht verletzten«, sagte der Mann, der ihrem Kopf am nächsten war. »Du sollst sie lediglich fesseln, damit sie uns nicht verletzen kann, verdammt. Und wo ist dieser nutzlose Torhüter geblieben, den der Imallin damit beauftragt hat, das Tor zu schaffen? Einige unserer Leute sind immer noch drüben! Schick jemanden zu ihnen, der sie herausholt, bevor er das Tor schließt!«
Molly wehrte sich aus Leibeskräften, aber die Männer – dünn und hoch gewachsen, aber stark – zwangen sie, weiterzugehen. Immer mehr von ihnen packten ihre Arme und Beine, bis sie sich einfach nicht mehr bewegen konnte.
Als sie einsah, dass sie sich nicht mehr wehren konnte, entspannte Molly sich vollkommen. Zum einen wollte sie ihre Energie nicht sinnlos verschwenden. Zum anderen würde sich ihr, wenn sie ihre Gegenwehr einstellte, vielleicht die Möglichkeit bieten, die Männer zu überraschen und auf diese Weise zu entkommen.
»Torhüter – kannst du das Tor noch ein Weilchen offen halten?«, rief jemand hinter ihr. »Wir gehen noch einmal hinüber, um die anderen zurückzuholen!«
»Er taugt nichts«, murmelte einer ihrer Entführer. »Näher konnte er uns an die Stadt nicht heranbringen. Ein guter Torhüter hätte uns das Ding fast auf den Hof gestellt.«
»Mir gefällt die Atmosphäre hier im Wald heute Nacht auch nicht«, sagte der Mann, der ihr am nächsten stand. »Sorgt dafür, dass die Soldaten einen engen Ring um uns bilden.«
Molly stand mit ihren nackten Füßen auf festgetretenem Schnee, und sie trug nichts als einen Flanellpyjama. Als sie ihren Widerstand aufgab, kam ihr diese Tatsache mit erschreckender Deutlichkeit zu Bewusstsein.
»Wenn ihr mir nicht ein Paar Stiefel und einen Mantel beschaffen könnt und vielleicht auch eine Mütze und Handschuhe, braucht ihr euch keine Sorgen mehr darum zu machen, wie ich dorthin komme, wohin ihr mich bringen wollt, weil ich nämlich an Ort und Stelle erfrieren werde.«
Jemand zerrte ein großes, schnaubendes Tier durch die Dunkelheit auf Molly zu, und hinter dem Tier erkannte sie einen großen hölzernen Wagen, wie Bauern ihn benutzten.
Aber was zum Teufel war das für eine Kreatur, die den Wagen zog? Es war kein Pferd, und es war auch nichts, was Ähnlichkeit mit einer Kuh gehabt hätte; es sah ungefähr so aus, wie man sich eine Kreuzung aus einem Elch und einem Karibu vorstellen musste, und Molly glaubte Knochen zu erkennen, wo sie nicht hingehörten. Alles in allem hatte das Geschöpf keine Ähnlichkeit mit irgendeinem Lasttier, das Molly je gesehen hatte. Und seine Augen glühten in der Dunkelheit wie rote Höllenfeuer.
»Du brauchst weder die Schuhe noch den Mantel«, sagte der Mann, der bisher am meisten mit ihr gesprochen hatte. »Du wirst auf dem Heuwagen fahren, eingehüllt in ein paar Decken. Falls du beschließen solltest, einen Fluchtversuch zu unternehmen, kannst du barfuß durch den Schnee laufen.«
»So kannst du doch nicht mit der Vodi reden«, protestierte einer der anderen Männer.
»Bisher weiß niemand, ob sie wirklich die Vodi ist. Vorerst ist sie die Kreatur, die Byarriall die Brust zerschmettert und Loein ein Bein gebrochen hat. Welche Vodi würde so etwas tun?«
Molly wusste nicht, was eine Vodi war. Es interessierte sie auch nicht. »Vielleicht eine, die mitten in der Nacht aus ihrem Bett entführt wurde?«, sagte sie, aber die Männer schienen ihr nicht mehr zuzuhören. Der Mob hob sie hoch und stieß sie auf die Ladefläche des Wagens, und die meisten der Männer kletterten ebenfalls hinauf. Dann bückten einige von ihnen sich, um ihr ein weiches Seil um die Knöchel zu schlingen und dann ein weiteres um ihre Handgelenke. Als sie sie gefesselt hatten, packten sie sie in dicke Decken und schoben sie tief zwischen die Heuballen auf dem Wagen. Sofort wurde ihr wärmer. Verdammt, sie fror wirklich nicht mehr. Aber als der Wagen sich schlingernd und knarrend in Bewegung setzte, hörte sie, dass sich links und rechts von ihr Soldaten formierten. Die Geräusche waren ihr zutiefst vertraut: das Knarren von Stiefeln und Rucksackriemen, die leisen Flüche, die rhythmischen Schritte von Menschen, die schwer an Ausrüstung und Waffen zu tragen hatten. Sie erinnerte sich nur allzu gut an ihre Grundausbildung – auch wenn sie es bei der Luftwaffe ziemlich einfach gehabt hatte im Vergleich zu den Rekruten bei der Armee oder der Marineinfanterie, war sie doch lange genug marschiert, um den Drill zu kennen. Sie hatte eine Militäreskorte.
Was zum Teufel ging hier vor?
Aber die Männer, die sie entführt hatten, waren keine Soldaten. Sie waren zu selbstsicher gewesen, zu wenig auf Widerstand gefasst. Soldaten wussten, dass sie überall mit Ärger rechnen mussten, und ergriffen entsprechende Vorsichtsmaßnahmen. Mehr noch beschäftigte sie jedoch der Gedanke an das Gefühl dieser Hände auf ihrem Körper – heißer, dünner, trockener Hände.
Sie beschloss, nicht einfach darauf zu warten, dass diese Männer sie dorthin schleppten, wo sie hinwollten, und ihr dann … anzutun, was immer sie mit ihr vorhatten. Sie hatte bei der Luftwaffe...
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