Um es vorweg zu nehmen: Eisbrecher behalten nur teilweise ihren bisherigen Stil bei. Das Album unterscheidet sich deutlich von seinen Vorgängerwerken. Die bereits bei Eiszeit beobachtete stärkere kommerzielle Ausrichtung wird konsequent weiter verfolgt. Die vorab veröffentliche Single "Verrückt" kann nicht als repräsentativ für das Album gelten. Bisherige EB-Anhänger und Freunde von Megaherz, Rammstein & Co. werden an Stücken wie "Prototyp", "Exzess Express" oder der Singleauskopplung sicherlich ihre Freude haben. Massenkompatibilität anstrebend sind solche Stücke allerdings in der Minderzahl. DHMW ist stark balladenlastig ausgefallen. Dagegen wäre ja nichts einzuwenden, wenn dabei zumindest Stücke von einer Qualität wie "Ohne Dich" herausgekommen wären. Viele Songs plätschern ohne Aufregung und Besonderheit vor sich hin und können ohne Probleme im Radio laufen. Zu dem Titeltrack fällt mir gar nichts mehr ein. (... und das wird die nächste Singleauskopplung) Generell muss gesagt werden, dass auf DHMW Songmaterial enthalten ist, die man EB bisher nicht zugetraut hätte. (Das ist nicht positiv gemeint)
Das Album ist sehr gut produziert. Hier merkt man schon, dass mehr Mittel zur Verfügung gestanden haben. In vorhergehenden Rezensionen wird die Steigerung der Textqualität gelobt. Ein Blick ins Booklet kann hier weiterhelfen. An manchen Stücken haben sich bis zu fünf Texter ausgetobt. Stellt sich die Frage, wieviel Eisbrecher übrig blieb. DHMW bietet weitgehend jugendfreie Texte und verzichtet auf derbe Sprache oder Provokation. (wie z.B. Amok, Willkommen im Nichts, Miststück)
Die Hölle muss warten ist für mich ein durchschnittliches Album und hätte dementsprechend drei Sterne verdient. Der versuchte Spagat, alte Fans bei der Stange zu halten und neue durch 08/15-Liedchen zu gewinnen, ist in meinen Augen misslungen. Warum trotz mehrmonatiger Verzögerung bei der Veröffentlichung so viel Mittelmaß entstanden ist, bleibt rätselhaft. Ein Punkt Abzug gibt es für die Rahmenbedingungen:
Die Eisbuben sind alt genug und hatten Unheilig als warnendes Beispiel, um es deutlich besser zu machen. Die bisherige Musik war gut genug um auch breitere Schichten zu erschliessen. Jetzt gibt man sich trotz anderslautenden Beteuerungen voll der PR-Maschinerie preis: Fan-Event auf der Zugspitze (bei Unheilig war es ne Dampferfahrt) welches bei genauem Hinsehen eine PR-Releasefeier für Musikjournalisten war. (Mit überragenden Rezensionen haben die sich brav bedankt) Bei RTL2 ist man die Werbeunterbrechung. Schnell noch ein paar Promofotos im Bravo-Stil. (peinlich) Die Website eilig noch aufgehübscht. Alles bereitet für die mediale Omnipräsenz. Und die Szene, welche jahrelang treu die Stange gehalten, als Neidmenschen und Weltverbesserer abgetan. Ach übrigens, sich live über Unheilig zu belustigen und eine Parodie zu machen und sich dann die Alben von Henning mitproduzieren lassen, ist ein komischer Stil. Und als Gag ein "Tränen lügen nicht" im Liveprogramm zu haben oder solche Pop- und Schlagerschnulzen ernsthaft auf einem Album zu veröffentlichen, ist ein wesentlicher Unterschied.