Eine (Familien-)Geschichte vom Sterben ist Die Hälfte des Himmels gehört Bo. Da sind die Eltern, der sechsjährige Bo, zwei Schwestern von vierzehn und sechzehn Jahren und die elfjährige Martha, die diese Geschichte erzählt, und die Bo am nächsten steht. Dabei ist Martha oft sauer auf Bo, eifersüchtig sogar, weil er sich so viel mehr erlauben darf als sie und die Schwestern, ohne das die Eltern böse mit ihm werden. Martha versteht das nicht, und obwohl sie ihn sehr lieb hat, ist sie deshalb auch häufig böse auf ihn. Da ist zum Beispiel die Sache mit dem Himmel. „Der Himmel gehört mir“ erzählt Bo Martha eines schönen Sommertages, als sie nebeneinander auf einer Blumenwiese liegen, „oder genauer gesagt, mir gehört die Hälfte, denn die andere Hälfte hab‘ ich Mama geschenkt.“ „So ein Quatsch“, entgegnet Martha. „Der Himmel kann dir gar nicht gehörten, der gehört niemandem.“ „Doch“, beharrt Bo, „ich habe ihn gekauft, von Herrn Krämer.“ „Du kannst ihn nicht von Herrn Krämer gekauft haben, denn dem gehört er auch nicht!“ ereifert sich Martha. „Doch“, wiederholt Bo, „ich habe ihm zwei Lutscher und drei saure Bonbons dafür bezahlt.“ – So ist es immer mit Bo, und was Martha wütend macht, ist zugleich auch zum Schreien komisch. Doch dann wird Bo in diesem Sommer krank, und die Eltern müssen ihren Töchtern die Wahrheit über Bo sagen, eine Wahrheit, die sie selbst und Bo schon lange kennen: Bo ist so krank, dass er sterben wird. Nun gehört die Hälfte des Himmels tatsächlich Bo, und Martha versteht plötzlich das Verhalten ihrer Eltern. – Geschichten, in denen gestorben wird, sind traurig. Und doch ist dies kein trauriges Buch, weil es so offen und authentisch mit dem Thema Sterben umgeht. Den Eltern gelingt es, Bo die Angst vorm Sterben zu nehmen, bzw. sie gar nicht erst aufkommen zu lassen, indem sie ihm einen Himmel entwerfen, auf den er sich freuen kann. Das zeugt von großer Kraft, von Stärke und von Liebe, und damit endet es auch: mit dem Glück, Bo erlebt und geliebt zu haben, wenn auch nur für kurze Zeit. – Das Buch ist sehr einfühlsam, gefühlsbetont, ergreifend und an einigen Stellen zu Tränen rührend (jedenfalls für Erwachsene), jedoch niemals rührselig. Die Lektüre ist eine Bereicherung.