Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Sportfreunde Stiller haben mit ihrem zweiten Album an Professionalität gewonnen und an Ursprünglichkeit verloren. Die gute Seite fällt um einiges poppiger aus als der Vorgänger So wie einst Real Madrid, die Arrangements sind runder, die technischen Spielereien wesentlich ausgeprägter. Vorbei scheint die Zeit der eckig schraddelnden Klampfen und der liebenswürdig gestaksten Texte, fast könnte man meinen, der alte Schwung ist hin. Exemplarisch für die Grundstimmung der Scheibe heißt es in der etwas nachdenklichen Powerpop-Nummer "Independent": "Und ich frage mich gelegentlich: bin das ich? -- oder bin ich schon so wie die im Fernsehen?"
Der Hurrapunk aus all den wunderbaren Jahren ist einem Pop gewichen, der dem an und für sich nicht wirklich schlechten Album in keiner Weise gut tut. Bestes Beispiel ist der potentielle Hit "Tage wie dieser", ein textlich ausgezeichnetes, eher melancholisches Liebeslied mit einer frischen Melodie, welches durch die Überladung an Effekten leider viel verliert. So bleibt die Feststellung, weniger wäre hier mehr gewesen. Massentauglichkeit kontra Straße, wir wollen hoffen, dass das gut geht. --Felix von Vietsch
INTRO
So wie einst Real Madrid eilten sie in den vergangenen Jahren dank ihres angenehmen Debüt-Albums und exzessiver Tourneen von Erfolg zu Erfolg. Kaum jemand konnte sich euphorischer Pop-Hymnen wie "Wellenreiten" entziehen. Schnell hat sich die Münchener Band einen Top-Tabellenplatz "zwischen den Ärzten und den Toten Hosen" (so das Label) gesichert. "Du und ich und sonst noch ein paar Leute, wir sind auf der guten Seite", heisst es im titelgebenden Song. Wir sind die Guten? Das hört man gern. Die Band pflegt noch immer einen engagierten Offensiv-Stil, allerdings sichert man inzwischen nach hinten gut ab. Gepflegtes Kurzpasspiel ohne Risiko, hier wird kein Schritt zu viel gemacht. Was lange Erfolge versprach, bedarf keiner Veränderungen, so denkt man. Die Songs leben noch immer von der einfachen Struktur, vom Mitsing-Faktor und von ihrer Unverbindlichkeit. Das ist diesmal aber nicht mehr als solides Mittelfeld-Gekicke mit ein paar schönen Vorlagen, aber auch mit so manchem Fehlpass. Ein paar akzeptable Songs wie "Komm schon" oder "Ein Kompliment", aber nicht die großen Melodien, dafür etliche Lückenfüller. Manchmal wird man auch ein wenig verlegen, wenn Peter Brugger plötzlich Heidi und Major Tom zitiert oder sich in banalen Songwriter-Floskeln verzettelt: "Ich bin so vernetzt, das ich gefangen bin / Das ist der Fortschritt, hoffentlich komme ich da mit." Das möchte man dann doch nicht hören und wünscht dem sympathischen Trio nach dieser überraschungsarmen Platte für den nächsten Kick neue Impulse.
Michael Brandes / Intro - Musik & so
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