Marketingfachleute empfehlen regelmäßig, Wettbewerber zu ignorieren. Ich mache heute mal das genaue Gegenteil und spreche meiner Wettbewerberin Frau Hofert ein dickes Kompliment für Ihr neues Buch aus. Wie begründe ich meine Empfehlung?
Auf 198 Seiten beschreibt sie ein alternatives Bewerbungskonzept, das sich von der „klassischen“ Bewerbung grundsätzlich unterscheidet. Ob man hier überhaupt noch von „Bewerbung“ sprechen kann, ist aus meiner Sicht fraglich. Ich sehe stattdessen Frau Hofert's Buch als einen trefflichen Fundus an konkreten Einzelratschlägen und unterschiedlichen Strategien zu Selbstmarketing und Selbstvermarktung an.
Der Leser erhält damit wirksame Mittel und Wege, um im verdeckten Arbeitsmarkt erfolgreich seinen Traumjob finden zu können. Der Clou daran: Nach einhelliger Expertenmeinung werden im so genannten verdeckten Arbeitsmarkt mehr als zwei Drittel aller vorhandenen Jobs besetzt. Die üblichen Bewerbungsratgeber adressieren stattdessen den offenen Arbeitsmarkt mit dem verbleibenden ein Drittel an Jobofferten. Neben diesem rein quantitativen Vorteil berichtet Frau Hofert ihrem Buch zu Recht davon, dass auch qualitativ der offene Arbeitsmarkt die schlechteren Jobs anbietet.
Um sich im verdeckten Arbeitsmarkt erfolgreich bewegen zu können, bietet Frau Hofert sozusagen eine Under-Cover-Strategie an. Der Leser erhält von der Autorin zunächst ein Vorlaufkapitel mit Begriffs- und Vorgehens-Klärungen rings um das Thema Guerilla-Bewerbung. Sie ergänzt dies mit einer großer Ideensammlung und vielen konkreten Einzeltipps der Kategorie „tu-dies“ und „lass-jenes“.
Ab Seite 54 folgt dann in Einzelkapiteln die Darstellung von 16 Strategien verschiedener Bewerberrollen mit diesen im wesentlichen gleich bleibenden Teilelementen:
* für wen sich die XYZ-Strategie eignet
* die XYZ-Strategie texten
* welche Risiken die XYZ-Strategie birgt
* die XYZ-Strategie Schritt für Schritt
Der Gefahr, daraus einen zu eng sitzendes Korsett für das gesamte Buch zu schneidern, weicht die Autorin durch zusätzliche individuelle Elemente in den einzelnen Strategien aus. Der Text wird aufgelockert durch grafische Elemente, exemplarische Listpunkte und tabellarische Darstellungen.
Was hat mir nicht gefallen?
Öffentliche Testimonials aus Coaching Situationen halte ich grundsätzlich allein schon aus Diskretionsgründen heraus für wenig sinnvoll. Sollte ein Coachee jedoch bereit sein, die gemachten Erfahrungen für den Coach öffentlich darzustellen, dann begrüße ich seine authentische und für den Leser nachvollziehbare Identität. Die im Buch für die Berichterstattenden gewählte Quellenangabe lediglich in Form von Vorname, Alter, teilweise Berufsnennung hinterlässt bei mir vermeidbare Fragen.
Mein Fazit: Denken Sie über die Inhalte des Buches nur nach, wenn Sie wirklich bereit sind, für Ihren Traumjob selbst aktiv zu werden. Wie sagt Frau Hofert so treffend: „Ändern Sie Ihr Denken! …. nehmen Sie eine Produzentenhaltung ein.“ Wenn Sie stattdessen die Trampelpfade der „klassischen“ Bewerbungsstrategien bevorzugen, dann verfolgen Sie für Frau Hofert die „... typische Konsumentenhaltung.“ In diesem Fall gibt es für Ihre Ziele besser geeignete Bücher. Allen anderen kann ich dieses Taschenbuch nur wärmstens empfehlen.