Roland Habersetzer ist einer der kompetentesten europäischen Autoren zum Thema Karate und Kobudo. Alle seine Bücher sind mit viel Liebe zum Detail geschrieben und bieten dem interessierten Leser eine Fülle an Information, welche so nur selten zu finden ist. Allerdings sind Bücher wie
Koshiki Kata - Die klassischen Kata des Karatedo oder
Karate der Meister. Mit Körper und Geist für den Beginner eher verwirrend und zu anspruchsvoll. Genau hier springt nun das neuste Werk von Herrn Habersetzer in die Bresche: 'Die Grundtechniken des Karate'. Und der Titel hält was er verspricht.
Der Autor erörtert zunächst grundlegendes Wissen und Prinzipien zu den Basisfunktionen wie Fauststösse, Fusstechniken, Blöcke, Schritttechniken aber auch zu Aspekten der Etikette oder der korrekten Atmung.
Im Zweiten, essentiellste, Teil des Buches präsentiert R. Habersetzer dann, anhand einer Vielzahl an präzisen Zeichnungen, die einzelnen Kihon-Techniken im Detail. Durch das Verwenden von Ablauflinien, Pfeilen und Symbolen (z.B. für den Zeitpunkt des Kime) sind die Darstellungen sehr plastisch und einfach nachzuvollziehen. Obwohl Herr Habersetzer sich dabei auf Shotokan und Wado-ryu Techniken konzentriert, sind diese- da Grundechniken- zum grossen Teil 1:1 auf andere Stile übertragbar und sollten somit auch dem geneigten Leser einer anderen Stilrichtung eine hilfreiche Unterstützung sein. Leider sind die Texte zu den Zeichnungen eher knapp gehalten. Genauere Erläuterungen zu häufigen Fehlerquellen oder biomechanischen Details hätten die Bilder ideal ergänzt und den Sinn des Lesers für Details und Prinzipien geschärft.
Im Dritten, und letzten, Teil geht der Autor schliesslich auf die Grundlagen des Kumite ein. Auch dies in eher knapper und oberflächlicher Weise- keine 30 Seiten mit vielen Bildern und wenig Text. Fairerweise muss aber angemerkt werden, dass es nicht dem Zwecke dieses Buches entspricht, Kumite erschöpfend abzuhandeln.
Unter dem Strich kann gesagt werden, dass es sich, im Sinne eines Nachschlagwerkes, um ein lohnendes Buch handelt. Dies gilt insbesondere für den "visuell orientierten" Leser, welcher gut mit Bildern arbeiten kann und weniger Wert auf entsprechende Erklärungen legt. Wer sich allerdings vertiefte Einblicke in die Techniken und deren Prinzipien erhofft, wird wohl enttäuscht werden. Die eine oder andere genauere Erläuterung zur korrekten Hüftdrehung, der Bewegung aus dem Dantien, Körperausrichtung und allgemein detailiertere Ausführungen zum "Warum und Weshalb" hätten den Rahmen eines Grundlagenwerks nicht gesprengt und dem Buch sehr gut getan.
So bleibt es ein schön gestaltetes und fundiertes Nachschlagewerk. Nicht das Einzige, aber sicherlich eines der Besseren seiner Art.