Gottlob Freges Fragestellung in den Grundlagen der Arithmetik erscheint auf den ersten Blick trivial: Es soll definiert werden, was eine Zahl ist, was sie ausmacht und wie sie beschrieben werden kann. Normalsterbliche werden sich solche Fragen wohl niemals stellen, denn gewöhnlich sind Zahlen einfach da, ohne dass wir uns ernsthaft fragen, woher sie kommen. Für den Logiker, der gern alles hübsch ordentlich definiert hat, stellt sich die Frage aber schon. Also: Ist die Zahl ein Objekt unserer Fantasie oder etwas Reales? Kann man sie als Eigenschaft von Gegenständen bezeichnen, oder hat sie eine ganz andere Qualität? Frege unternimmt den Versuch, sich der Zahl so zu nähern, wie man sie üblicherweise gebraucht: als Element der Sprache und als Attribut von Aussagen. Die Methode wurde berühmt ' auch wenn die Mühe letztlich vergebens war. Denn Jahre nach der Veröffentlichung des Buches wurde Frege von Bertrand Russell auf Widersprüche in seiner Argumentation hingewiesen. Frege teilte das Schicksal vieler bedeutender Wissenschaftler: Obwohl er heute als Begründer einer Lehre ' der modernen Logik ' gilt, führte er doch zu Lebzeiten ein Schattendasein.