Der Geist von John Sinclair wütet auf einem alten, verlassenen Friedhof. Er vermehrt seine Stärke, indem er die Ängste und Schrecken von Menschen aufsaugt, unterstützt von Asmodis höchstpersönlich. Dabei schreckt John Sinclair auch vor Folter nicht zurück...
Wie denn, was denn, wo denn? Keine Angst, beim Geist handelt es sich nicht um den Geisterjäger, sondern einen gleichnamigen Verwandten mit umso schrecklicher Vergangenheit: ein Massenmörder und Kannibale, dessen Schreckensherrschaft nur durch Lynchjustiz beendet werden konnte. Darin verwickelt war auch John's Grossvater. Der Fluch des bösen Sinclair richtet sich gegen John und seine Eltern. Wird John seinen Vater retten können und den schrecklichen Alb besiegen?
Naja, die Frage lässt sich wohl leicht beantworten. Trotzdem unterhält die Folge ausserordentlich gut: sehr atmosphärisch umgesetzt (viel Friedhof-Flair mit akustisch überzeugendem Bösewicht, der ein echt fieses Grabstein-Spiel mit einem Piloten treibt - tolle Schauspielleistung von Dietmar Wunder als zu Tode verängstigter Frank Evans!), generell Klasse Geräusche und auch gut eingesetzte Musik, sodass sich ein spannendes und gruseliges Vergnügen bietet, das zudem Licht in die Familienverhältnisse der Sinclairs wirft. Natürlich ist keine tiefgängige Charakterschilderung zu erwarten, aber die kleinen Streitereien zwischen Vater und Sohn sind doch amüsant. Und dass nach einem unerwartet raschen Ende dann doch nicht Schluss ist und es nochmals in die Vollen geht, freut den Hörer natürlich besonders. Vorgang, Hauptspeise und noch Extra-Dessert, was will man mehr?
Das Titelbild entspricht nicht der Original-Romanvorlage, sondern wurde dem Heft 474: "Der Hexenstein" entnommen. Vermutlich waren die Rechte für das Original abgelaufen. Schade, aber es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel, dass John erzählt, sein böser Onkel hätte zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelebt, was also faktisch zwischen 1801 und 1900 läge. Effektiv wütete der Bösewicht dann aber - gemäss Bill Conolly - zwischen 1918 und 1924. Aber hallo...?
Soviel Spitzfindigkeit muss schon sein. Ansonsten klare Kaufempfehlung für alle Sinclair-Fans und solche, die es werden wollen. Aus Jason Darks atmosphärischer, aber durchschnittlicher Romanvorlage wurde - dank guter technischer Umsetzung und v.a. dank guter Schauspielleistungen - eine sehr schöne Einzelfolge geschaffen, die das Original noch toppt!