Nur aufgrund der Besetzung ausgeliehen (mit gemischten Erwartungen), hat mich dieser Film letztendlich sehr postiv überrascht.
Meine Befürchtungen gingen hauptsächlich in die Richtung:
hoffentlich nicht son oberflächliches Gefühlsgedusel mit
Helden und Zeigefingern, und bitteschön auch keine trockene Geschichtsstunde!
Der Einstieg in den Film ist dann tatsächlich zäh, und eigentlich fragt man sich bis zum Ende, worauf der Film hinausläuft. Aber gerade das ist sein größtes Plus, man wird ständig angehalten mitzudenken, nachzufragen, sich mit den Personen zu identifizieren bzw. zu hinterfragen, wie man selbst an ihrer Stelle gehandelt hätte. Klingt jetzt auch irgendwie nach dem bekannten Schema, der Zugang zum Thema macht jedoch einen Großteil seiner Wirkung aus. Die Perspektive von jüdischen Häftlingen, die für eine begrenzte Zeit (max. 4 Monate) weiterleben dürfen, dabei große Privilegien genießen,
im Gegenzug jedoch die absolut niedersten Aufgaben im KZ auszuführen haben, scheint mir im Nachinein wie geschaffen für eine Auseinandersetzung mit den Lehren aus dem industriellen Massenmord (Vom Individuum [auch Mensch genannt^^] her betrachtet, nicht von Völkern und Nationen ausgehend!). Der Holocaust selbst wird zwar gezeigt (und das ziemlich brutal und erschreckend), ist jedoch nicht eigentlicher Gegenstand des Films. Vielmehr dreht es sich immer wieder um die Gewissenskonflikte der Beteiligten, die Ausweglosigkeit und der Umgang mit ihr (Stichwort Stolz oder Würde).
Insgesamt ein sehr tiefgehender und anspruchsvoller Film, der nahezu ohne sentimentalisierende Musikuntermalung auskommt (auskommen will), dazu absolut radikal umgesetzt wurde (Hoffnung, auch auf ein eventuelles "happy end" sucht man von Anfang an vergebens),
und für mich einer der besten Nazi- bzw. Holocaust-Filme, die mir bekannt sind.
Licht aus - Kopf an - Daumen hoch!