Obwohl die Rezensionen über dieses Buch nicht gerade überschwänglich waren, fand ich die Lektüre sehr interessant und anregend. Es wurde kritisiert, dass das Buch weder eine richtige Autobiographie noch eine distanziert-wissenschaftliche Analyse der Geschichte der Grünen sei. Aber warum sollte das nicht legitim sein? Im Gegenteil, es macht genau die Qualität des Buches aus. Es ist ein persönlicher Blick auf die Grünen und die jüngste deutsche Geschichte, kurzweilig erzählt, mit politischen Gedankengängen und Einschätzungen, die einen den Grünen wohlgesonnenen Leser dazu anregen, über seine eigenen Positionen nachzudenken.
Auffällig ist, dass Volmer in seiner Geschichte mit den Grünen anscheinend keine dauerhaft verlässlichen Weggefährten hatte. Dadurch mag der Autor selbst als der einzige wahrhaftige Muster-Grüne erscheinen, aber vielleicht illustriert es einfach eine Wirklichkeit in der Politik, wo es - selbst wenn man für die gleiche Sache kämpft - auch immer um den eigenen Vorteil, die persönliche Karriere und Geltung geht. Ambivalent ist Volmers Darstellung von Joschka Fischer, der vom Steine werfenden Sponti zum Turnschuhminister und schließlich Vizekanzler im Dreiteiler mutierte: einerseits Bewunderung für dessen Leistung als Außenminister, seine Integrationskraft und Popularität, andererseits Abneigung gegen Effekthascherei und Selbstinszenierung.
Bemängeln würde ich an diesem Buch nicht viel. Da ist so mancher Seitenhieb gegen Zeitgenossen, der etwas unmotiviert erscheint, und es gibt ein paar Detailfehler, die wohl darauf zurückgehen, dass das Buch schnell geschrieben wurde. Der Elysée-Vertrag wird 10 Jahre zu früh datiert (angeblich 50-jähriges Jubiläum im Jahr 2003), und in schlechtem Denglisch wird mehrfach der "Loser" zum "Looser". Dennoch beeindruckt das Buch durch die Detailfülle und Volmers subjektive Beobachtungen und Kommentare zu (partei)geschichtlichen Ereignissen, bei denen immer wieder der Gegensatz zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik ein Thema ist.
Ingesamt ergibt sich durch dieses Buch ein Bild der Grünen als "bunter Haufen", der sich innerhalb von 30 Jahren von einer Sammelsurium verschiedenster Bewegungen in vielen heftigen, manchmal lächerlichen Auseinandersetzungen zur heutigen Mainstreampartei mit Profilschwäche entwickelt hat. Die letzten Seiten sind besonders lesenwert. Dort stellt Volmer Fragen, die die Grünen nicht nur für sich beantworten sollten, sondern mit denen sie auch wieder deutlicheres Profil gewinnen könnten.