Jetzt kann man es ja zugeben: Achim Reichels "Grüne Reise", jenes superrare Krautrockwerk von 1971, ist grässlicher Schmonzes. "Es war das erste Mal, dass ich mir uneingeschränkte künstlerische Freiheit gestattete", erinnert Reichel sich. Das wirft kein gutes Licht auf sein damaliges Potenzial, obwohl der verwirrte Julian Cope das Album später als "Endresultat eines höheren Bewusstseins" missverstand. Es besteht aus einem inzwischen unglaublich öde wirkenden Konglomerat von Echoeffekten, in die sich Reichel damals spontan verliebt hatte. Gitarren, Gesäusel, Geklöppel und Steinzeitelektronik verband er zu einem Werk, das mal an Can erinnerte und mal an Pink Floyd; und dort, wo es nicht epigonal war, verlor es jede Restrelevanz. Was die Platte aber 36 Jahre lang behielt, war ihre Untergrundaura, die sie zum Mythos machte. Jetzt kann man sie wieder kaufen, die "Grüne Reise", und zwar in wunderbarer Aufmachung (Doppeldigipack), klanglich überarbeitet und von 60 Fachhochschulstudenten auf einer Extra-DVD filmisch umgesetzt, samt Doku und Interview. Wie Kraut und Rüben, die man in eine Designertasche gesteckt hat - also fast schon so was wie Kunst. (mw)
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GRÜNE REISE-THE GREEN JOURNEY