Pressestimmen
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2003
Infolge der Wiederentdeckung Sandor Marais werden auch frühere Romane - in überarbeiteter Übersetzung - neu aufgelegt. "Die Gräfin von Parma" stammt aus dem Jahr 1940 und ist ein leichteres Stück als etwa "Die Glut", was unter anderem auch am Thema und der gewählten Erzählstruktur liegt, meint Niklas Bender. Marai habe eine Zwischenstation aus dem Lebensbericht Casanovas herausgegriffen und zu einer fiktiven Episode ausgebaut. In Bozen begegnet er dem Grafen von Parma und dessen junger Gattin Francesca wieder, derentwegen er sich einst mit dem Grafen duelliert hatte und unterlegen war. Es kommt zu verschiedenen Arrangements, erklärt Bender, zu denen auch die Gräfin überraschend beitrage. So entstehe eine Art Liebesreigen, der die fast bombastisch und altertümlich wirkenden Monologe auflockere und in ein Wechselspiel wie bei einem Maskenball verwandele. Der Autor lässt keinen Zweifel an seiner Bejahung der lebensoffenen Haltung Casanovas, die einer aufgeklärten Sinnlichkeit das Wort redet, hält Bender fest.
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-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Rezension
Eine fiktive Episode aus dem Leben Casanovas, einer der schillerndsten Figuren des 18. Jahrhunderts, wird in diesem 1940 entstandenen Roman von Sándor Márai beschrieben. Kurz nach seiner waghalsigen Flucht aus den venezianischen Bleikammern, auf dem Weg nach München, macht der berühmte Liebhaber und Verführer Station in Bozen. Marai, der seit der Wiederveröffentlichung seines Romans
Die Glut zu den besten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts zählt, porträtiert Casanova als einen Menschen, der hin- und hergerissen ist zwischen Freiheit, Liebe und der Sehnsucht nach dem Unerreichbaren. Er sieht ihn als letztlich einsamen Mann. Sein Roman ist eine raffinierte Vorlage für Reflexionen und philosophischen Betrachtungen zum Thema Liebe und wahre Gefühle.
In dem Hörspiel wird die Legende Casanova ironisch gespiegelt: Die Szene, in der die Frauen den berühmten Casanova wie ein Objekt der absoluten Neu- und Begierde begaffen, und er sich selbst wie ein wildes Raubtier gebärdet, setzt eindeutige Akzente. Sylvester Groth spielt diese Rolle überzeugend, genauso glaubhaft klingt seine Irritation, als er, der große Verführer, das junge Stubenmädchen Therese nicht in Ekstase versetzen kann. Es gibt aber in seinem Leben einen Moment, wo er berührt ist: Es handelt sich um Francesca, die Gräfin von Parma. Casanova weiß, dass er sich mit ihr ein Leben hätte vorstellen können, dass er genau darum damals weggegangen war. Und genau diese Frau soll er jetzt wieder treffen.
Höhepunkte des Hörspiels mit einem hervorragenden Rufus Beck als erklärendem Erzähler sind die Dialoge mit dem Grafen Parma und mit Francesca, dessen Frau. Karl Michael Vogler als alternder Graf, der seine geliebte Frau für immer von ihrer Sehnsucht nach Casanova heilen bzw. freikaufen will, beschließt einen Handel: Es ist ein Arrangement, das als Gegenleistung freies Geleit für den gesuchten Venezianer verspricht. Weniger klar und tatkräftig läuft die nächtliche Begegnung mit Francesca ab. Hier kristallisiert sich das zentrale Spiel aus Sehnsucht, Unerreichbarkeit der Liebe, Verrat und Maske heraus. Lena Stolze leiht ihre Stimme der Frau, die für ihre Liebe bereit ist, alles zu geben und dennoch selbstbewusst fordert und schließlich kränkt. Die Schauspielerin trifft sehr genau die Tonlage für diese höchst sensible Gratwanderung.
Fazit: Das Hörspiel mit der unverkennbaren Musik von Henrik Albrecht ist mit Sylvester Groth, Lena Stolze und Rufus Beck hervorragend besetzt. Es besticht durch die feine Umsetzung einer Lebens- und Liebesskizze voller Raffinesse und wunderschöner Sentenzen.
Hörspiel, Spieldauer: ca. 75 Minuten, 1 CD. Mit Booklet. Ein Produktion des Westdeutschen Rundfunk Köln 2004. -- culture.text
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