Klaus Harpprecht legt eine minutiöse manchmal ein wenig detailverliebte Biografie Gräfin Dönhoffs vor. Auch wenn die Verdienste der Gräfin unstrittig sind und sie eindeutig als eine der prägenden Figuren der Nachkriegsgeschichte dargestellt wird, so kann man auch in einigen Punkten eine kritische Distanz des Autors feststellen, die er immer dann einnimmt, wenn er den Blick Gräfin Döhnhoffs durch Ihre Herkunft beeinflusst sieht. Natürlich wird eine Person aus dem Hochadel die Geschichte vor und während des zweiten Weltkriegs anders beurteilen als ein 'normaler' Bürger. Angenehm wirkt hier, dass trotz aller Bewunderung für die Haltung der Gräfin der Autor dennoch auch die problematische Haltung des Adels vor dem Krieg zu der Figur Hitlers nicht ausspart. Auch wenn keine Schuldzuweisung stattfindet, so bleibt doch der Eindruck, dass auch nicht alles unternommen wurde, die Katastrophe zu verhindern. Mir als Nachkriegsgeborenen ist es wichtig zu erkennen, warum das geschehen konnte und auch von beeindruckenden Persönlichkeiten zunächst in seiner Tragweite nicht verstanden wurde.
In den Schilderungen nach dem Krieg ist aus heutiger Sicht die völlig andere Bewertung von Lebensinhalten in den Nachkriegsjahren im Bildungsbürgertum erstaunlich. Nicht die Ökonomie ist die Triebfeder ('Die Zeit' kann erst nach Jahrzehnten rentabel geführt werden, was heutzutage undenkbar wäre) sondern der Wunsch eine den Qualitätsansprüchen des gehobenen und gebildeten Bürgertums entsprechende Zeitung zu erstellen. Ohne das der Autor darauf selbst hinweist, ist es erstaunlich in welcher Freiheit man früher seiner Tätigkeit nachgehen konnte. Das letztendlich daraus ein sehr hochwertiges Produkt entsteht (als solches muss man 'Die Zeit' unzweifelhaft heute bewerten), zeigt das Nachhaltigkeit über Qualität am Ende doch der bessere Weg ist.
Insgesamt ist das Buch auf jeden Fall sehr zu empfehlen, wenn auch manchmal der trocken akademische Stil etwas ermüdend wirkt.