Peter Prange hat schon mehrfach bewiesen, dass er das Metier des historischen Romans perfekt beherrscht. Man denke nur an die Trilogie "Die Principessa", "Die Philosophin" und "Die Rebellin".
Und jetzt "Die Gottsucherin" - ein Roman über eine aufregende Zeit, das 16. Jahrhundert, die Renaissance - "mit gestaltet" von einer außergewöhnlichen Frau. Die Jüdin Garcia Mendes ist kaum bekannt, umso bedeutender aber war sie. Wir schreiben das Jahr 1528 in Lissabon. Garcia ist zwangsgetauft und kann und darf ihren jüdischen Glauben nicht praktizieren. Sie muss als Conversa leben. "Zuwiderhandlungen" werden von der Inquisition geahndet. Das hat in einer Zeit der Verfolgungen, des Hasses gegen die (ehemaligen) Juden fatale Folgen - auch für Garcia Mendes.
Um diesen Folgen zu entgehen, flieht sie nach Antwerpen, später nach Venedig und endlich nach Konstantinopel. Immer bestrebt, ihrem Glauben treu zu bleiben und ihren Glaubensgenossen zur Flucht vor der Inquisition zu verhelfen. Dem sind ihre teilweise sehr erfolgreichen Geschäfte untergeordnet. Dem ist auch ihr persönliches Schicksal untergeordnet. Sie wird verfolgt und vergewaltigt. Sie bleibt nicht frei von Schuld - persönlich und gegenüber Menschen, die ihr sehr nahe stehen: ihrem Mann, ihrer Schwester, ihrer Tochter. Sie ist auf der Suche nach Gott - und nach sich selbst. Sie stellt sich gegen Kaiser, Könige und Päpste. Sie verrät ihre Liebe, wird verehrt und gedemütigt, reich und arm. Ein Schicksal, das anrührt.
Glanz und Elend der Zeit werde von Peter Prange in farbenprächtigen Bildern beschrieben. Sehr detailliert erzählt er von den historischen Gegebenheiten - vor allem aber vom Judentum, von seinem kulturellen und religiösen Reichtum, von den Verfolgungen, denen es ausgesetzt ist und von der Kraft seines Glaubens.
Gut recherchierte reale Geschichte und spannend erzählte Geschichten, in deren Mittelpunkt eine große Frau steht: Peter Pranges Buch hebt sich ab von der Menge historischer Romane. Es ist ein besonderes Leseerlebnis.