Dieses Buch lässt den Leser an der Lebensgeschichte dreier Menschen teilhaben: an der von Daniel Luria und seiner Schwester Deborah sowie an der von Timothy Hogan. Daniel ist der Sohn und potentielle Nachfolger eines berühmten, ultraorthodoxen Rabbiners aus New York. Er uns seine Schwester Deborah wachsen in einem jüdischen Viertel in Broklyn auf. Während sein Vater sehr hohe Erwartungen an seinen einzigen Sohn Daniel stellt, leidet Deborah darunter als Frau in jüdisch-orthodoxen Kreisen nur sehr wenig Zugang zu religiöser Bildung zu haben.
Timothy wächst ebenfalls in Broklyn auf, jedoch nicht im jüdischen Viertel, sondern bei seiner irisch-katholischen Familie. Im Alter von etwa zehn Jahren wirft Timothy einen Stein durchs Fenster ins Haus von Rabbi Luria. Eine Mutprobe, die er später bitter bereut. So kommt es dazu, dass Tim zum als Ausgleich für den von ihm angerichteten Schaden zum Schabbes-Goi der Familie Luria wird. Das bedeutet, dass er Tätigkeiten ausführt, deren Erledigung Juden - nach orthodoxer Tradition - am Schabbat nicht erlaubt ist. Auf diesem Weg begegnet Timothy Deborah und die beiden verlieben sich in einander. Eine Liebe, die ihrem sozialen Umfeld - natürlich - missfällt. Als Rabbi Luria davon erfährt, wird seine Tochter nach Israel geschickt und Timothy verschreibt sich in seiner scheinbar aussichtslosen Situation ganz der Tätigkeit als Messdiener und lernt eifrig wie nie zuvor, um später im Dienst der Kirche stehen zu können. Eine Liebesbeziehung zu einander erscheint sowohl Timothy als auch Deborah zu diesem Zeitpunkt und auch einige Jahre später - als sie sich mehr oder weniger zufällig in Israel begegnen - aussichtslos. Um sich von der unerfüllten Liebe abzulenken, konzentriert sich Tim nur noch mehr auf seine christlich-theologischen Studien. Während er im Vatikan immer mehr an Bedeutung gewinnt, entdeckt Deborah das Reformjudentum für sich und beginnt begeistert mit dem Studium der jüdischen Theologie.
So vergehen viele Jahre, in denen Deborah und Tim keinerlei Kontakt zu einander haben. Ihre Verzweiflung darüber vertraut Deborah nur Daniel rückhaltlos an. So ist auch er der Einzige, der weiß, wer wirklich der Vater von Deborahs Sohn ist.
Mit Daniel kommt die dritte Hauptfigur ins Spiel. Der Autor beschreibt, wie schwer es Rabbi Lurias Sohn fällt, den für ihn vorgesehenen Posten als Nachfolger seines Vaters anzutreten.
Erich Segal gelingt es stets, Personen sowie deren Eigenheiten und Gefühle dem Leser nahe zu bringen. Die drei Hauptpersonen wirken bald sympathisch, so dass man als Leser durchaus an deren weiterem Schicksal Interesse entwickelt. Gelungen war auch die Gliederung des Buches in Kapitel, die entweder die Überschrift Daniel, Deborah oder Timothy trugen. Daniel Schilderungen sind in der ersten Person Singular geschrieben währen die Abschnitte zu Tim und Deborah jeweils in der dritten Person Singular verfasst wurden. Auf diese Weise entsteht ein abwechslungsreicher Schreibstil aus unterschiedlichen Perspektiven, während sich die Lebenswege der drei Romanfiguren immer wieder kreuzen.
Was mich allerdings sehr gelangweilt hat, waren die Schilderungen von Tims Zeit im Vatikan. Hier geht es um Bischöfe, Erzbischöfe, Mönche, Priester und sonstige Bewohner des Vatikans. Da ich mich für die dortige Hierarchie nicht interessiere, musste ich mich regelrecht dazu zwingen, die betreffenden Buchseiten wenigsten so genau zu lesen, dass ich der Handlung noch folgen konnte. Die Ausführung über Tims Dinner bei irgendwelchen ranghohen Vertreten des Papstes und ähnliches ziehen sich scheinbar endlos durch manches Kapitel. Diesen Teil seines Werkes hätte der Verfasser meiner Ansicht nach entscheiden kürzer halten müssen. Den während man sich durch diesen Teil des Romans quält verliert man leicht das aus den Augen, worum es in dem Buch eigentlich geht: Um eine schöne, wenn auch unrealistische, Liebesgeschichte.
Womit wir beim nächsten Kritikpunkt wären: Erich Segals Realitätssinn lässt mitunter doch sehr zu wünschen übrig. So erscheint es mir zum Beispiel sehr unwahrscheinlich, dass ein orthodoxer Rabbiner die Tätigkeit seiner Schwester im eben dem selben Beruf nicht nur duldet, sondern auch noch unterstützt- Ebenso unwirklich erscheinen Daniels plötzliche Sinneswandel, die es immer wieder gibt und die seltsamer Weise immer mit Frauenbekanntschaften in Verbindung stehen. So entscheidet er sich beispielweise einmal gegen den Beruf des jüdischen Geistlichen, kurz zuvor hatte er eine nichtjüdische Frau kennen und lieben" gelernt. Jahre später entscheidet er sich dann urplötzlich für den Beruf des Rabbiners, hier ist die Tochter eines jüdischen Buchhändlers wohl auch ein Grund dafür. Des weiteren passen manche Zufälle einfach zu gut ins Geschehen, als dass es sie im wirklichen Leben geben könnten. So wird Daniel beispielsweise gebeten, als stellvertretender Geistlicher in der Provinz zu arbeiten und das passiert just an dem Tag, an dem er pleite geht und sich eh nach einer neuen Tätigkeit als der an der Börse umsehen muss. Nicht, dass ihn diese je glücklich gemacht hätte, es ist wohl nur eine Art Trotzreaktion in Zeiten der Orientierungslosigkeit. Aber auch hier wird der Autor wieder zu ausführlich und Schildert Daniels Börsengeschäfte etwas zu detailliert, als dass sie interessant sein könnten.... .
Es handelt sich bei diesem Roman letztlich wohl nicht um das beste Buch, das ich je gelesen habe, aber alles in allem habe ich es gerne gelesen, auch deshalb, weil sich Erich Segal einer sehr schönen Sprache bedient und unter anderem mit Daniel und Deborah eine wundervolle Geschwisterbeziehung schildert, wie sie im wahren Leben wohl nur sehr selten vorkommt.
Fazit: Ein gutes Buch, auf jeden Fall lesenswert. Wenn Sie dazu bereit sind, über gewisse Schwachstellen des Romans hinwegzusehen, kann ich Ihnen dieses Buch empfehlen.