Wer das Buch von Dan Brown "Sakrileg" gelesen hat, erfährt hier mehr von den Gewährsmännern des Dan Brown (vgl. dort Leigh Teabing = M. Baigent & R. Leigh). Nur, daß es bei Brown in einenm spannenden Roman zu entdecken ist, hier ist es mehr im sachlichen, aber leicht verdaulichen Erzählton. Wer allerdings meint, hier die "Wahrheit" zu finden, wie der selbsternannte Bestseller auf dem Umschlag wirbt, wird herb enttäuscht: Ich habe noch nie so viele schlampig recherchierten Gschichtchen, Fehlinterpretationen, Dummheiten, die den Autor als hoffungslosen Dilettanten entlarven, Märchen und Legenden auf einmal gelesen, Seite um Seite krampfen sich bei einem jeden Kenner der Materie die Bauchmuskeln zusammen ...
Ein paar Beispiele: Auf dem letzten Bild der Kreuzesstation, das in Rennes-le-Chateau zu sehen ist, sieht man vier Gestalten, die den Körper Christi tragen. Da der Maler das ganze so darstellte, dass die Szene bei Vollmond erscheint, muss das Passah schon angebrochen sein. Kein Jude würde dann eine Leiche anrühren, so Baigent. Aber 1. war das Gebot, einen Hingerichteten noch am gleichen Tag zu begraben, unbedingt einzuhalten (5. Mose 21,23); 2. zieht Baigent überhaupt nicht in Erwägung, dass der Maler aus dem 19. Jh. (!!) sich geirrt haben könnte; 3. ist es unter dem Niveau eines Schülers der 4. Klasse, daraus den Schluss zu ziehen, dass a. Jesus in Wirklichkeit noch lebte, b. er nicht ins Grab hinein, sondern von dort herausgetragen wurde; c. es vielleicht sein Ersatzmann war. Man darf hinzufügen: d. Die Landschaft auf dem Bild erinnert mehr an Rio de Janeiro als an Jerusalem, also fand das alles in Südamerika statt???...
Genauso töricht ist die Behauptung, Lukas selbst würde Maria & Joseph als genetische Eltern Christi bezeichnen: Lukas erwähnt dies nur im Rahmen des üblichen Sprachgebrauchs (auch die Eltern eines Adoptivkindes heißen eben "Eltern"), macht aber im Kontext der ganzen Geschichte unmissverständlich deutlich, wen er bzw. Jesus selbst als wirklichen Vater ansah: Lukas 1,24-45; 2,48-49; 3,22.
Regelrecht lachhaft wird es bei detaillierteren Fakten; so sei die griechische Übersetzung des Alten Testaments erst im 3. Jh. n.Chr. geschrieben worden, oder dass Paulus im 1.Korintherbrief auf seine Ehe hinweist; oder dass der "Kuss" im Philippus-Evangelium "mehr als eine sexuelle Beziehung sei";
oder wenn Baigent meint, dadurch, dass Joseph von Arimathia um den Körper (soma) Jesus' bitte, sei klar, dass Jesus noch gelebt habe. Baigent verkennt, dass "soma" sowohl für lebende wie tote Menschen verwendet wurde, vgl. Matthäus 14,12: Der geköpfte "soma" des Johannes - lebte der jetzt auch noch??? Ausserdem heisst es doch gerade nach der Kreuzesabnahme, dass sie diesen "soma" einbalsamierten & beerdigten.
Ähnlicher Unwissenheit entspringt die Behauptung, in Qumran hätten Zeloten gelebt; oder, Maria Magdalena sei die gleiche wie Maria von Bathanien und hätte Jesus zum König gesalbt, und Micha 4,8 sei eine Prophezeiung auf sie; oder der Tempel in Elephantine sei gewissermassen eine galiläische Niederlassung gewesen, und, und, und...
Der Londoner Antikensammler, den Baigent am Schluss erwähnt, ist niemand anders als ... (na, wer wohl?). Der aber bezeichnet die Werke von Baigent höchstpersönlich als "rubbish". That's it.
Fazit: "die Gottes-Macher" ist eines der besten Beispiele für religiöse Märchenerzähler, die noch nicht einmal die primitivsten Grundkenntnisse der Geschichte und der Logik beherrschen. Ein Muss für einen jeden, der wissen will, wie man nicht recherchieren und argumentieren sollte. Ein Armutszeugnis für einige größere Tageszeitungen, die Baigent als mutigen Geschichtsforscher o.ä. bezeichneten ...