Auf Herwigs Werk kam ich in diesem Sommer, als ich während eines Strandurlaubs Felix Dahns Klassiker "Ein Kampf um Rom" las. Während Dahn ganz im Geiste eines Romanciers des 19. Jahrhunderts die Gotengeschichte zu einer romantischen Tragödie ausweitet, bietet Herwig Wolfram Fakten. Sein Buch mag zunächst schwer zugänglich sein und ein bißchen blutleer erscheinen. Aber sobald der Leser sich an seinen Schreibstil gewöhnt hat, macht die Lektüre richtig Freude und sie bringt wirkliche Wissenserkenntnis. Der riesige Vorteil an Wolframs Werk liegt darin, dass der Leser es in Abschnitten lesen kann. Sehr gut gefallen hat mir zum Beispiel das Kapitel über das gotische Heerwesen oder die Darstellung der unterschiedlichsten gotischen Völker. Ein weiterer großer Vorteil an Wolframs Buch liegt darin, dass der Leser Lust auf die Originaltexte der Völkerwanderungszeit bekommt. Jordanes "Getica" und Prokops "Byzantische Geschichte" laden zur vertiefenden Lektüre ein. Als Fazit bleibt zum Wolframs Buch zu sagen: Fundierte Wissenschaft, die Wissen schafft. Was will ein Leser, der sich für die Völkerwanderung interessiert, mehr?