...so langsam aber sicher, dass mir historische Romane durchaus so richtig Spaß machen können. In "Die Goldhändlerin" erzählt Iny Lorentz uns die Geschichte der jüdischen Goldhändlertochter Lea aus Hartenburg, die im Jahre 1485 in einem Pogrom sowohl ihren Vater als auch ihren älteren Bruder Samuel verliert. Um das eigene Überleben und vor allem das ihrer zwei jüngeren Geschwister zu sichern, muss Lea in die Rolle ihres Bruders Samuel schlüpfen und die Geschäfte des Vaters weiterführen. Ein lebensgefährliches und schwieriges Unterfangen, in einer Zeit, in der Juden in Gesamteuropa verfolgt und getötet werden. Doch Lea stellt sich schlau an und wird schon bald zu einem tüchtigen, erfolgreichen und anerkannten "Geschäftsmann", natürlich in ständiger Angst, als Frau entdeckt zu werden.
Als ihr der zwielichtige Handelsagent Roland Fischkopf aus Hamburg begegnet, ahnt der Leser, dass sich zwischen den beiden eine Romanze entwickeln könnte, doch Lea kann sich ja auch ihm nicht offenbaren. Als Roland Lea bittet, für ihn nach Spanien zu reisen um seine Familie aus den Händen der Spanischen Inquisition zu befreien, weiß Lea, dass dies eine Reise auf Leben und Tod sein wird. Als christlicher Adliger verkleidet macht sie sich auf den Weg....
Also, mir hat "Die Goldhändlerin" Spaß gemacht. Eindrucksvoll recherchiert, gibt uns Iny Lorentz ein Stück Geschichte in die Hand, dass sich leichtflüssig und interessant lesen lässt. Sympathisch charakterisiert - die junge Protagonistin, mit der man sich diebisch freut, wenn sie mal wieder ihre Aufgabe besser und cleverer löst, als ihre männlichen Mitstreiter - in einer Zeit, da Frauen zu nichts anderem nütze sind, als Kinder zu gebären und den Haushalt zu schmeißen.
Ein wunderbarer historischer Roman.