"Die Godin" (btb 72145) ist nach "Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski" (btb 72144) und "Walching" (btb 72141) der dritte historische Kriminalroman von Robert Hültner mit Inspektor Paul Kajetan im Bayern der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Wie der erste wurde auch dieser mit dem Deutschen Krimipreis und darüberhinaus mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet. Zu recht, denn dieses Buch ist mehr als ein Kriminalroman. Hültner läßt eine vergangene Zeit - die Jahre nach dem 1. Weltkrieg - in einer Art und Weise wiederaufleben, daß man sich mitten drin fühlt. Nach seinen Ermittlungen in "Walching" wurde Kajetan wegen Ungehorsams aus dem bayrischen Polizeidienst entlassen und geht - so er nicht gerade arbeitslos ist - mancherlei Tätigkeiten nach. In einer stürmischen Regennacht lernt Kajetan auf der Suche nach einem Unterstand die Prostituierte Mia kennen und verliebt sich in sie. Kurze Zeit später ist die junge Frau tot und Kajetan stellt - nachdem die Polizei den Fall als Selbstmord zu den Akten legt und er nicht an Selbstmord glaubt - auf eigene Faust Nachforschungen an. Dabei gerät er tief in das kriminelle Milieu Münchens hinein. Auf der Suche nach dem Mörder kommt er auch in den Heimatort Mia's, Sarzhofen am Inn, und trifft dort die "Godin" Mia's, die ihm den Weg zur Lösung des Falles zeigt. Ihr Tod war - wie sich herausstellt - nicht das Ende einer schrecklichen über 20 Jahre andauernden Familientragödie, sondern nur die Vorstufe zum Ende. Das Ende ereignet sich dann dort, wo das ganze angefangen hat - in Sarzhofen am Inn. "Die Godin" ist wie auch die beiden Vorgänger ein exzellenter Roman, den man erst nach Lesen der letzten Seite aus der Hand legen kann.