Die Go-Go-Girls der Apokalypse... wie so oft bei Piper wird auch Cover und Buchrücken irritierendes geboten, da der Inhalt sich nicht selten anders gestaltet als die Ankündigungen. Ebenfalls "Opfer" dieser Art Werbung ist A. Lee Martinez, aber um diesen (sehr talentierten) Herren soll es hier ja nicht gehen. Kommen wir nun also zur Apokalypse (wer wollte sowas nicht schon einmal sagen?).
Victor Gischlers Roman erinnert mich in seinem manchmal recht rohem Ausdruck teilweise sehr an Martinez' (jetzt erwähne ich ihn doch wieder) Erstling "Diner des Grauens". Doch ebenso wie bei ihm sind auch Gischlers Figuren irgendwo zwischen schräg und sympathisch einzuordnen, was einen zeitweise etwas hölzernen Stil wieder wettmacht. Mag ja auch durchaus sein, dass dies vom Übersetzer herrührt, zum englischsprachigen Original kann ich leider nichts sagen.
Doch entweder wird die "Schreibe" im verlaufe der geschichte besser/runder, oder die geschichte selbst zieht so in den Bann, dass man letztendlich doch gefesselt ist und sich über die vielen skurrilen Einfälle des Autors freut und wundert. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, jedoch ist dieser etwas spezieller und spricht wahrscheinlich nicht jeden an. Glücklicherweise hat der oft trockene, zynische und böse Humor doch ziemlich genau meinen Nerv getroffen. Bei Gischler wird nichts beschönigt oder in einen sanften und barmherzigen Mantel des Schweigens gehüllt. Die Schrecken und Skrupellosigkeit der postapokalyptischen Zeit wird schonungslos dargestellt und dabei oft lakonisch nebenher behandelt, so dass man sehr direkt vermittelt bekommt, dass ein Leben in dieser Zeit nicht mehr viel wert zu sein scheint - außer wenn man genügend Geld und eine Armageddon-Platin-Karte hat.
So gesehen sind einige Elemente des Romans gar nicht mal so abstrus...
Erwähnen möchte ich noch, dass ich zu jenen Lesern gehöre, die einen Roman auch gern mal öfter lesen. Diese Rezension schreibe ich nach dem dritten Durchlauf und muss dazu noch sagen, dass mir das Buch bei allen Folgelesungen noch besser gefallen hat als beim ersten Mal.
Einen Stern muss ich allerdings doch von der perfekten "5" abziehen, da gerade der Anfang teils etwas an den Haaren herbeigezogen wirkt. Auch die ein oder andere Reaktion diverser Haupt- und Nebenfiguren wirkten nicht immer nachvollziehbar für mich, was an einigen wenigen Stellen dazu führte, dass der Lesefluss sich für mich etwas holprig gestaltete, ich fühlte mich dadurch ein wenig aus der Geschichte herausgerissen.
Nichtsdestotrotz werde ich den Herrn Gischler auch weiterhin im Auge behalten und auch weiteren Romanen von ihm gern wieder Chancen einräumen, auch wenn "Vampire A-Go-Go" hier bislang größtenteils eher ernüchternde Kritiken erhielt.