Ich habe die Falco-Romane mit sinkender Begeisterung gelesen. Ja es stimmt, „Gnadenfrist" führt den Erstleser dieser Reihe auf spannende Weise durch die Unterwelt Roms und gibt sehr kurzweilige Einblicke in das antike städtische Leben (mit sehr vielen, ich hoffe, stimmigen Details). Doch die Person des einsamen Ermittlers verliert immer mehr an Farbe, denn der arme edle Falco muss einfach zu viele Tugenden auf sich vereinen. Der Vergleich mit einem zynischen Humphrey Bogart (aus seinen Filmen der schwarzen Serie ) war im Roman „Silberschweine" noch angebracht. Jetzt aber erstickt unser Held an der Vielzahl positiver Eigenschaften, die nach dem Verständnis der Autorin ein moderner Mann wohl besitzen sollte: er ist ein gewitzter, erfolgreicher „Arbeiter", leider arm, aber mit besten kaiserlichen Verbindungen, zudem ein lebendiges Hohelied der Männerfreundschaft und zugleich ein genervtes, widerwilliges Familienoberhaupt, der allerdings bei dem geringsten Pups für seine leidige Bagage den Kopf hinhält. Er hasst seinen Vater, der die Familie im Stich ließ, so wie er seine nervende Mutter liebt, aber wenn es darauf ankommt, ist Blut dicker als Wasser und die beiden, Vater und Sohn, genehmigen sich einen. Für die nichtsnutzigen Kinder seiner grässlichen Schwestern hat er nur wenig gute Worte übrig, schickt sie aber pflichtbesessen in die Schule, wenn er sie beim Schwänzen erwischt. Und natürlich ist er ein ungestümer Liebhaber wenngleich auch verständnisvoller Lebenspartner, der stets alle Gedanken und Gefühle teilt und nicht etwa still am Abend vor sich hingrummelt, wenn tagsüber der arme Verräter mit dem Kopf im Kupferkessel verenden musste...