Marais Thema ist die einmalige, die große Liebe und alles, was damit zusammen hängt. In „Die Nacht vor der Scheidung" geht es um eine Frau, die eben den Richtigen nicht geheiratet hat und deswegen an der Seite des Falschen frigide wird. In „Wandlungen einer Ehe" dreht sich die Geschichte um einen Ehemann, der seine Frau verlässt, um seine große Liebe zu heiraten, die ihn aber betrügt, bestiehlt und belügt. Man sieht, die große Liebe hat ihre Tücken - vor allem wenn sie einseitig ist. Das ist auch der Plot des wohl derzeit berühmtesten Buches von Sandor Marai „Die Glut". Christine, eine Frau aus einfachen Verhältnissen, wird von Hendrik, einem adeligen und wohlhabenden Offizier der k.u.k. Armee, geheiratet, eine Liebesheirat wie es schient, aber die Frau „war nicht verliebt sie war nur dankbar". Aber auf Dauer reicht Dankbarkeit für eine Ehe nicht aus - eines Tages kommt es zu einer Liaison zwischen der Ehefrau Christine und Konrad, dem besten Freund des Adeligen, in deren Verlauf die beiden offenbar ein gemeinsames Leben und die Ermordung Hendriks planen, ein Vorhaben, dass Konrad, der „Feigling" aber in der entscheidenden Sekunde einer Jagd nicht übers Herz bringt, woraufhin er vor allen Verschlingungen auf Nimmerwiedersehen einfach verschwindet. Unmittelbar nach Konrads Abreise entdeckt der bis dahin vollkommen ahnungslose und gutgläubige Hendrik die Beziehung seiner Frau mit seinem besten Freund. Ohne dass die Eheleute auch nur noch ein Wort miteinander sprechen, vergehen acht Jahre, ehe Christina an Blutarmut stirbt. Soweit die Geschichte, die vor 41 Jahren geschehen ist. Nach 41 Jahren aber meldet sich plötzlich wieder Konrad bei Hendrik, die beiden 75jährigen treffen sich noch einmal bei Tisch, der dritte Stuhl bleibt leer und sprechen über die Vergangenheit Wie die geplante Ermordung Hendriks dabei für den Leser Stück für Stück auftaucht, ist geradezu meisterlich komponiert. Wie viele Themen der Autor gleichsam nebenbei in einer unnachahmlichen Sprache behandelt, ist erstaunlich: Freundschaft, Ehe Liebe Treue, Dankbarkeit, die moderne Welt, der Untergang der Vergangenheit und der Tradition - alles blitzt auf, bildet gleichsam als Bühnenbild für das Gespräch der beiden Freunde, die sich am Ende ihres Lebens noch einmal treffen und die „Glut", den lange verborgenen Hass Konrads gegen den so wohlhabenden Henrik, wiederbeleben. Auch wenn es sich bei dem ganzen Buch vorwiegend um einen Monolog handelt und sich die Handlung fast ausschließlich in der Einzählung des Generals entwickelt, ist es meisterhaftes Werk, bestechend durch seine Sprache, seine Einsichten und spannend bis zum Schluss.