Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Leiden ist es, das ich heimwärts trage, es ist ein Tod (aus dem Gedichtzyklus "drei Frauen" von Sylvia Plath), 6. Dezember 2006
Die Glasglocke, von Sylvia Plath (1963 unter dem Pseudonym Viktoria Lucas erschienen) schildert den Verlauf einer Depression, die durch die Möglichkeiten zu leben entsteht, eine Krise, die ja und nein zugleich zum Leben sagt. Sicher geht es in dem Roman auch um das Thema der Emanzipation, darum, dass die Heldin des Romans Esther Greenwood nicht von einem Mann unterjocht sein will, kein Baby angehängt bekommen will, entsprechend drückend und schlimm schildert Plath die Entjungferung Esthers von einem gefühlskalt wirkenden Mathematikprofessor. Die anschließende Blutung bedarf einer Notoperation, die Esther auch noch 20 Dollar kostet, welche Irwin, der Mathematikprofessor erst nicht bezahlen will. Eine Beinahe-Vergewaltigung auf einer Party in New York dokumentiert weiter Esthers Schutzlosigkeit und Ausgeliefertsein an die Männerwelt. Dass ihr Doktor Gordon, ein Mann, nicht helfen kann und sie auf üble Weise einer Elektroschockbehandlung unterzieht ohne sie vorher zu sedieren, tut sein Übriges dazu. Erst auf der privaten Station unter der ruhigen Führung der unprätentiösen Frau Doktor Norton, gelingt ihr der Weg zu sich selbst. Das alles ist ein Aspekt des Romans, ein weiterer Aspekt ist die präzise Schilderung der depressiven Gefühle Esthers, eigentlich keine Gefühle mehr, sondern erstarrte Gefühlskälte. Das Gefühl der Gefühllosigkeit, ein typisches Symptom der Depression wird von Sylvia Plath auf hoher literarischer Ebene geschildert. Mehr und mehr versinkt Esther Greenwood in den Gesten und Handlungen der Menschen um sie herum. Sie wehrt sich scheinbar nicht mehr, hat nur noch den Rückzug als einzige Waffe gegen eine sie überfordernder Gesellschaft, einer Gesellschaft die ständig Erwartungen an sie heran trägt, sie still darum bittet irgendwelche sozialen Rollen zu erfüllen, die sie nicht erfüllen will, weil sie schließlich eine eigene Identität hat. Dies ist die erschreckende Modernität des Romans: dass wir uns gegenseitig durch Banalität abtöten. Lauter Zwänge: berufliche Zwänge, soziale Zwänge, moralische Zwänge. Sei dankbar Esther, ruft stets ihre Mutter. Sei tüchtig Esther, ruft Jay Cee, die Chefin der Modezeitung in New York, wo Esther ihr Stipendium absitzt, sei eine gute Frau, ruft Buddy Willard und dessen Mutter, die sie sich als Ehefrau und Schwiegertochter wünschen, sei eine brillante Schriftstellerin, Professorin oder Forscherin, ruft es in Esther selbst. Die erdrückende Glasglocke entsteht durch diesen alles in Esther Greenwood erstickenden, nichts als drohend fragenden Schrei "Wer bist du eigentlich?".
"Warum kann ich nicht verschiedene Leben anprobieren wie Kleider, um zu sehen, was mir am besten steht und zu mir passt?" schreibt Sylvia Plath einmal in ihrem Tagebuch. Das kennzeichnet schlicht die Tragödie von uns Menschen, festgelegt auf nur ein einziges Leben, mit unendlich vielen Möglichkeiten.
In dem Roman "Die Glasglocke" vergleicht sie die Lebensmöglichkeiten mit Feigen an einem Feigenbaum. Esther möchte nicht nur eine einzige Feige und so werden am Ende alle Feigen schwarz und fallen vom Baum. Esther bleibt nichts, weil sie sich nicht entscheiden kann.
Dass Sylvia Plath mit 31 den Freitod wählte, schwebt über der Lektüre. Ich habe mich über mich selbst geärgert, dass dieses Wissen über dieses Detail aus Sylvia Plaths Biografie dem Roman wie eine weitere Lesart anhaftet. Doch gleichzeitig entstand dadurch dieser merkwürdige Effekt des authentischen Schauers. Dazu kam noch der Film "Sylvia" mit einer großartigen Gwyneth Paltrow als Sylvia Plath. Sylvia Plath - man möge mir diesen Vergleich verzeihen - ist die Marilyn Monroe der ernsten Literatur. Und das leicht verblichene Schwarz-Weiß-Foto der vor mir liegenden Suhrkampausgabe macht aus ihr einen modernen Mythos im besten Sinne Roland Barthes. Eine Literaturgöttin, in die man sich verlieben muß. Auch wenn man sich dadurch als Schwarmgeist outet.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fesselnd, 3. Februar 2005
Schleichend gerät das Empfinden, Wahrnehmen und Denken der neunzehnjährigen Esther Greenwood in den Bann einer schweren Depression. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch wird sie in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.In "Die Glasglocke" erforscht Sylvia Plath nicht die Ursachen der Depression, sondern sie beschreibt den Krankheitsverlauf, und zwar auf eine außergewöhnlich anschauliche und beklemmende Weise, in einer eleganten Sprache mit zahlreichen gelungenen Vergleichen und Metaphern. Ungeachtet des bedrückenden Inhalts sind einige der Szenen komisch, aber das wirkt nicht humorvoll, sondern sarkastisch. Mit diesem Roman beweist Sylvia Plath, dass sie nicht nur eine bedeutende Lyrikerin ist, sondern auch eine geniale Erzählerin. Bedauerlicherweise hat die amerikanische Schriftstellerin nur diesen einzigen Roman geschrieben.
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Frauenleben zwischen Literatur und Herd ?!, 19. Juli 2005
Für mich ist Sylvia Plath eine unter den wichtigsten Frauenfiguren der Literatur. Ich habe dieses Buch für die Uni gelesen, ohne Vorwissen. Und war von der ersten Seite an gefesselt! Ich würde jedem Leser der Glasglocke raten, erst nach der Lektüre des Romans eine Biographie, Monographie über Sylvia Plath zu lesen. Dann wirds unheimlich...In der Glasglocke schreibt Sylvia Plath (ich darf es andeuten, autobiographisch) über Esther Greenwood, eine fleißige, hübsche Collegestudentin und ihren seelischen und psychischen Zusammenbruch mit 19 Jahren. Grandios schildert Plath, wie sich der Zustand in der Glasglocke (das Eingesperrt sein, keine Luft zu bekommen, abgeschnitten von der Welt zu sein) langsam in Esthers Leben hineinschleicht. Als Leser versucht man dahinter zu kommen, wo denn die Wurzeln für dieses Unglück liegen und wird auch bald fündig. Nach einem Aufenthalt in einer Klinik (mit abstrusen Behandlungen, wie Insulin-Schocks und noch schlimmer Elektro-Schocks!!!!!) wird Esther als geheilt entlassen. Das ist die spannende Rahmenhandlung. Doch viel mehr interessieren uns Esthers Gefühle, Gedanken, ihre Umgebung, ihre Familie, ihre Freunde. Wir merken, dass sie ein sehr intelligentes und begabtes Mädchen ist, doch sie hadert mit dem anscheinend vorprogrammierten Frauenschicksal in den 1950er Jahren in den USA. Scharf kritisiert sie Geschlechterunterschiede, die gesellschaftlich gemacht sind. Ohne es zu wissen, wird Plath zu einer Feministin nach heutiger Definition. Auch Esther will leben, lieben wie es ein Mann tut. Sie will studieren, einen Beruf ausüben, lieben, eine Familie haben, aber nicht ihre Identität verlieren. Dieser Roman ist nicht sehr geeignet für Personen, die keine stabile Psyche haben, bzw. selbst Erfahrungen mit Suizidversuch, Tabletten, Kliniken... haben. Generell sage ich aber, dass dieser Roman (übrigens Plath einziger) sehr empfehlenswert ist.
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