Als ich die vielen negativen Rezensionen über das Spiel Die Gilde 2 gelesen hatte, war ich ziemlich enttäuscht über die harten Kritiken gegen das Spiel, kannte ich Die Gilde 1 doch als ein wunderschönes Wirtschaftsspiel, welches ich selbst heute immer noch gerne spiele. Entgegen aller Warnungen leistete ich mir vergangene Woche jetzt doch die Platinum Edition. Ich muss sagen, ich verstehe die Kritiken nicht. Die Installation verlief reibungslos, das Spiel läuft bei höchsten Einstellungen fehlerfrei und das, obwohl mein Rechner schon drei Jahre alt ist (Betriebssystem immer noch Windows XP, vor einem Jahr habe ich eine neue Grafikkarte eingesetzt). Ich spiele das Spiel jetzt schon eine Woche ununterbrochen mehrere Stunden am Tag (abgesehen natürlich, wenn ich arbeite), und es gab nicht einen einzigen Absturz, auch sonst vielen mir keine Bugs auf, selbst das Netzwerk bleibt bis jetzt stabil, was bei DG1 nicht unbedingt der Fall war. Das Spiel scheint aber auch in der Platinum Edition auf dem neusten Stand zu sein.
Die neuen Spielideen sind ebenfalls wirklich wunderschön ausgedacht, wie z.B. der Charakterbogen für die Familienmitglieder. Das Werben um einen Ehepartner gestaltet sich jetzt auch nicht mehr so einfach. Man muss seinen Partner regelrecht umwerben und dies mit äußerstem Geschick. Es gibt auch schöne neue Berufe. Was mir auffiel war, dass alles, was in DG1 etwas fantasylastiger war, eher weggelassen wurde; nichts Übernatürliches, keine Zombies, die vertrocknete Amtmänner wieder aus den Gräbern holen. Die Berufe wirken im Allgemeinen realistischer als in Teil 1. Ich gebe zu, dass ich den Beruf des Totengräbers vermisse, wie auch die Gaukler. Man hätte den Totengräberberuf ja auch ganz normal gestalten können, ohne Geister und Zombies. Dafür gibt es jetzt z.B. den Beruf des Medicus, der Kranke und Verletzte heilen kann.
Ich habe auch ein Spiel in Venedig begonnen, was ja ein völlig isoliertes Spiel ist, kein Addon, wie ich ursprünglich glaubte. Das Spiel sah auch sehr interessant aus, lief jedoch aufgrund der wirklich heftigen Größe der Stadt etwas ruckelig. Dann habe ich zu allem Überfluss noch einen Dieb gespielt, wurde laufend bei Einbrüchen entdeckt und aufgerieben (ist halt Berufsrisiko) und war natürlich jedes Mal km weit vom nächsten Krankenhaus entfernt. Das war ein schlechter Start. Sicherlich bringen die anderen Berufe am Anfang mehr ein. In Venedig gibt es, wie ich sehen konnte, den einen oder anderen Beruf mehr, wie z.B. die Glaserei. Sonst unterscheidet es sich nur wenig vom normalen Spiel, nur das die Häuser und Betriebe nach italienischer Renaissance aussehen.
Die Grafik ist in beiden Spielen wirklich sehr sehr schön. Alles ist, wenn man die hohe Detailstufe eingibt, in gleißendes Licht getaucht, erinnert ein wenig an Prince of Persia. Die Musik ist ausgesprochen gut durchkomponiert und davon verstehe ich etwas, weil Musik mein wirklicher Beruf im echten Leben ist. Ich war ebenfalls sehr erfreut, als ich die mir seit Fugger 2 vertraute Stimme des netten Herren vernahm, welche den Spieler schon in DG1 durch das gesamte Spiel geleitet hat. Dieser Sprecher darf eigentlich nicht mehr fehlen in Die Gilde. Spiel, Grafik, Musik und Sprache harmonieren wirklich gut miteinander. Es gibt sehr viel zu entdecken und ich habe noch nicht alles entdeckt, fühlte mich jedoch veranlasst, jetzt schon diese Rezension zu schreiben.
Fazit: Ich kann wirklich ohne Bedenken dieses Spiel empfehlen. Ich für meinen Teil bin regelrecht süchtig, und das will schon was heißen, da ich in letzter Zeit ein wenig meinen Spaß am Spielen im Allgemeinen verloren habe. Hauptsächlich liegt das daran, dass sich bestimmte Spielprinzipe zu oft wiederholen. Das Prinzip in Die Gilde finde ich in beiden Teilen einzigartig und ich spiele es wirklich gerne. Ich möchte auch den ersten Teil nicht missen, allein wegen der Berufe. Aus einigen der Rezensionen konnte ich entnehmen, dass viele Rezensenten von dem Prinzip des Spiel ebenfalls angetan waren, umso größer war natürlich ihre Enttäuschung, als es ständig abstürzte. Das wäre ich wohl auch. Es sieht so aus, als ob sich DG2 einfach nicht mit Windows Vista verträgt. Ob die Schuld bei der Firma JoWood liegt, sei mal dahin gestellt. Sicherlich hätten sie es mit dem System kompatibler machen können, aber mir fallen auf Anhieb fast ein Dutzend Spiele ein, die auf Vista nicht laufen. Deswegen und aus anderen Gründen bin ich Windows XP so lange treu geblieben.
Ich kann nur sagen, sollten Sie, lieber Leser, dieses Spiel kaufen und einen positiven Eindruck von dem Spielprinzip gewonnen haben, aber Probleme mit Abstürzen haben, nicht gleich das Spiel in die nächste Mülltonne werfen. Warten Sie einfach, bis Ihr Rechner die Anforderungen erfüllt, es lohnt sich auf jeden Fall.