Scott Turow entführt uns einmal mehr in die justizszene von Kindle County . Der ehemalige bürgermeister, einige richterinnen, etliche anwälte sind bekannt und begleiten uns schon in mehreren seiner romane. In der jetzt vorliegenden geschichte geht es um einen überaus ehrgeizigen bundesstaatsanwalt und um einen korrupten anwalt, des sein großes vermögen mit schadenersatzprozessen erworben hat. Hierbei bedient er sich korrupter richter und eines illegalen bankkontos. Als ihm der bundesstaatsanwalt auf seine schliche kommt, bemüht er sich um einen strafverteidiger. Dieser erzählt in seltsam zurückhaltender "Ichform" die ganzen ereignisse. Er schildert den titelhelden als geschäftstüchtigen, erfolgreichen yuppie, der gleichzeitig ein fürsorglicher ehemann für sein schwerkranke ehefrau ist, nebenbei aber die auf ihn angesetzte lesbische FBI-Agentin zu umgarnen versucht. Ich habe alle bisher übersetzten bücher von Scott Turow gelesen, aber dieses werk ist eines der an schwersten zu beurteilenden. Einerseits begegnen einem die bekannten einrichtungen von Kindle County erneut, zum anderen wird diesmal die "Bundesgerichtsbarkeit" eingehend dargestellt. Wir erleben einen sich selbst verleugnenden und sehr verhalten auftretenden "Ichdarsteller", und eine hauptperson mit einerseits verwerflichen eigenschaften, der aber äußerst kooperativ mit den strafermittlungsbehörden zusammenarbeitet und sich selbstlos und aufopfernd um seine frau bemüht. Diese hat eine seltene, aber überaus auszehrende krankheit, die, unpassend im zusammenhang, äußerst detailreich geschildert wird (und eine noch ausführlichere schilderung im nachwort erfährt). Die geschichte gipfelt in einem eigentümlichen showdown, der nach meiner meinung die falschen bestraft, und für mich zu viele fragen offen lässt. Warum dieser gigantische aufwand der bundesbehörden und so wenig greifbare ergebnisse. Der tod unseres hauptdarstellers ist ebenfalls nicht plausibel, wird ein zeuge der anklage nicht besser geschützt ? die zweite hauptrolle, und zwar die der FBI-Undercover-Agentin ist für mich auch nicht schlüssig dargestellt, weder in ihrer sympathie für den hauptangeklagten, noch in ihrer eigenen FBI-Rolle und noch weniger in ihrer dezent angedeuteten rolle als lesbe.
Fazit: ein vom handlungsverlauf äußerst komplizierter justizroman, gekonnt inszeniert von Scott Turow. Dieses werk bleibt er jedoch wegen seines äußerst schwer zu durchschauenden sachverhalts hinter seinen topsellern zurück.