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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
117 von 128 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Interessant und schockierend zugleich,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Gier war grenzenlos: Eine deutsche Börsenhändlerin packt aus (Broschiert)
Man kann der Autorin nur danken, der Öffentlichkeit einen solch ungeschminkten und schockierenden Einblick in die Hintergründe der Finanzkrise gegeben zu haben. Einiges wusste man ja schon seit den Tagen eines Nick Leesons (Das Milliarden-Spiel. Wie ich die Barings-Bank ruinierte.), der "Mutter aller kriminellen Börsenhändler". Doch bei dem, wovon Anne T. berichtet, geht es nicht um kriminelle Taten, sondern um schlichte Gier. Anne T. ist davon überzeugt, dass viele Tätigkeiten in der Finanzindustrie regelrecht den Charakter verändern (8): "Ich bin inzwischen sicher, dass Geld süchtig macht. Anders ist es nicht zu erklären, wie Menschen sich verändern, welchen Preis sie bereit sind zu zahlen, um möglichst viel davon zu bekommen. Und sie werden nicht satt, sondern immer hungriger."Ihre berufliche Karriere beginnt sie in Frankfurt, wo sie zunächst Börsengänge (IPOs) begleitet. Schon hier sind manche ihrer Erlebnisse grotesk, entsprechen aber genau dem, was mir auch einige Bekannte, die während der Blütezeit des Neuen Marktes in der Branche tätig waren, erzählten. Später geht sie nach London, wo sie ihre Arbeit in einem Aktienhandelsraum aufnimmt. Beim ersten Anblick ihres neuen Arbeitsplatzes ist sie schockiert: "Tiere im Zoo hatten mehr Auslauf." (22) Schon bald lernt sie das dortige "Elitedenken in Reinkultur" (22) kennen: Hauptsache man kam von einer Eliteuniversität. Welcher Art das Studium war, war dagegen ziemlich egal. In London gerät sie auch das erste Mal in Kontakt mit Derivatehändlern, Vertretern der Königsdisziplin also. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland nimmt sie folgerichtig eine Beschäftigung im Derivatehandel auf. Bei der Lektüre des von ihr beschriebenen Bewerbungsgesprächs (36) und der dabei von ihr verfolgten Strategie (es kommt nicht so sehr darauf an, ob die Antwort richtig ist, sondern mehr, ob man überzeugend wirkt und entschlossen reagiert) musste ich herzhaft lachen. So fragt man sie etwa nach der Wurzel aus 1776, worauf sie entschlossen mit 38 (42 ist näher dran) antwortet, was ihre zukünftigen Chefs beeindruckt: Worüber wundern wir uns eigentlich noch? Schockierend die das ganze Buch durchziehenden Einzelepisoden, bei denen man manchmal den Eindruck bekommt, es könnte sich hierbei um eine durchgeknallte Spezies vom Mars handeln. Anne T. macht deutlich, dass sie die Abkopplung der Finanzmärkte von den Gütermärkten für eine wesentliche Ursache der aktuellen Problematik hält (218): 95% aller Gelder, die auf den Kapitalmärkten hin- und hergeschoben werden, sind Anlage- und Spekulationsgelder, nur 5% sind durch den Güterverkehr bedingt (217). Und hinter all dem vermutet sie eine Gier, die längst alle Beteiligten (inklusive den Privatanlegern) erfasst hat, und die nur ein Ziel hat, nämlich aus Geld immer mehr Geld zu machen. Sie resümiert (218f.) "Als abgeklärte Bankerin fragte ich mich aber auch: Ist Gier nicht ebenso das, was ein Gordon Gekko, der Held aus Wall Street, prophezeite? Die Triebfeder wirtschaftlicher Evolution? Ist sie nicht die Kraft, die seit jeher Innovation, Produktivität und Fortschritt in Gang setzt und weitertreibt?" Damit äußert sie eine ganz ähnliche Idee, die Mersch in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem zur Grundlage seiner Systemischen Evolutionstheorie macht: Evolution entsteht durch den Wettbewerb von Akteuren, die in ihrem Lebensraum (zum Beispiel den Märkten) ein Kompetenzerhaltungsinteresse (Selbsterhaltungsinteresse) besitzen. Da man sich aber gemäß Red-Queen-Hypothese in einem solchen kompetitiven Umfeld nur dann erhalten kann, wenn man so schnell rennt, wie es die Wettbewerber tun, ist die Folge ein kollektives Rennen, d.h. letztlich eine kollektive Gier. Im Grunde kann man damit auch die stetig zunehmende absurde berufliche Hetzerei erklären, von der auch Anne T. berichtet. Anne T. empfiehlt, die Finanzmärkte energisch zu regulieren: "Im Kapitalismus als Wirtschaftsordnung sollte aber keine Anarchie herrschen, es braucht funktionierende Regeln. (...) Für die Realwirtschaft sind diese Regeln weitestgehend erforscht. Die Spielregeln für die Finanzmärkte sind jedoch noch längst nicht so ausgereift (...)." Entsprechend schlägt sie international verbindliche Finanzspielregeln vor, nicht ohne dabei aber skeptisch anzumerken (219): "(...) die einzelnen Staaten liegen in dieser Frage so weit auseinander, dass eine internationale Finanzaufsicht fast utopischer erscheint als eine Weltregierung." Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die internationale Staatengemeinschaft schon erwachsen genug ist, um die genannten Probleme ernst zu nehmen. Der reine Text des Buches umfasst etwa 220 Seiten, woran sich ein zwanzigseitiges Glossar anschließt (vorbildlich!). Hierdurch lassen sich die Inhalte des Buches auch sehr gut für Nicht-Banker nachvollziehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
39 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Bildzeitung meets Capital Markets,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Gier war grenzenlos: Eine deutsche Börsenhändlerin packt aus (Broschiert)
Im wesentlichen werden in diesem Buch aktuell vorherrschenden Cliches und Vorurteile bedient: Investmentbänker sind geldgierige, gewissenlose Haifische, die den ganzen Tag nur mit sexistischen Bemerkungen um sich werfen und Milliarden Profite auf Kosten des unerfahrenen und unwissenden Kleinanleger machen. Kennen wir alles! Ist Moment wesentlicher Bestandteil jeder billigen Populismusdebatte wie wir sie in den Medien Tag ein Tag aus beobachten können. "Banker Bashing" ist Volkssport und auch am Stammtisch angekommen. Wenn man das macht, was alle machen, muss man es halt irgendwie anders präsentieren. Mehr Information bieten oder ausgesprochen spitz und humorvoll formulieren. Ansonsten ist das dann einfach nur eins: platt und billig!Anders kann ich das Buch nicht beschreiben. Die Dialoge wirken konstruiert, bemüht und hölzern. Es gibt einige peinliche Abschnitte in denen sich die BWL Studentin als "high potential " und "sexy" bezeichnet...irgendwie klingt das dann immer nach kindischer Machtphantasie... zum Fremschämen. Humorvoll oder witzig fand ich es auch nicht, Geschmäcker sind da ja aber bekanntlich verschieden (es gibt ja auch Leute die finden Mario Bart lustig). Informativ ist es aber auf keinen Fall. Es gibt einige wenige Zahlen zum gehandelten Volumen strukturierter Produkte und wieviel Geld Kleinanleger in Zertifikate gesteckt habe. Das wars dann auch schon. Bahnbrechend ist anders. Obwohl es auf amazon nicht gerne gesehen wird, möchte ich hier nun auch die Glaubwürdigkeit der Autorin in Frage stellen. Für mich ist bei einem anonymen "Insiderreport" die Glaubwürdigkeit der Quelle nunmal von wesentlicher Bedeutung für die Qualität des Werkes. Anne T behauptet in den 90ern bei einer deutschen Investmentbank in Frankfurt gearbeitet zu haben. Die Bank hatte zu damaliger Zeit wohl schon ein "multiple asset prop desk" (der Eigenändler der Bank "Boris" darf alle Asset Klassen handeln). Das schränkt den Zirkel möglicher Kandidaten doch erheblich ein. (Für Menschen die sich da nicht so auskennen: Banken haben i.d.R. ihren Eigenhandel nach Asset Klassen organisiert. Jede Asset Klasse (Aktien, Festverzinsliche Wertpapiere, Devisen, real commodities, credit risk...) hat sein eigenes "Team" (das so genannte "desk"). Das man diese "Teams" zu einzelnen großen desks zusammenlegt ist ein relativ aktueller Trend. Zumindestens nach allem was ich weiß und selbst bisher erlebt habe.). Alle ihre Kollegen hören auf deutsche Vornamen, von wenigen wird explizit erwähnt, dass sie Ausländer sind. Inklusive der Vorgesetzten. Die "Amtssprache", auch mit den Kunden, ist deutsch. Das ist heute noch sehr unwahrscheinliche, mitte der 90er am Derivatives Desk einer deutschen Investmentbank IMHO beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Irgendwie kommt auch nie so wirklich raus was sie eigentlich so wirklich macht, mal bezeichnet sie sich als "mich als Maklerin", dann ist sie ein trader....und dann arbeitet sie doch im sales. Nebenbei entwirft sie "on the fly" strukturierte Produkte für Kleinanleger....und für Institutionelle Kunden...als sales Triene? Was denn nun? Ganzschön omnipotent das Fräulein**. Hinzu kommen massenweise Details, die an sich für den Außenstehenden nich viel bedeuten mögen und für NICHTS ein Beweis wären, aber in der Summe machen sie einen doch stutzig. Hier ein kleiner Auszug: - Die Autorin führt mehrfach Gespräche mit Kunden oder anderen Bänkern. Hier fragt mal der andere, mal sie, nach einem "Quote". Sie tut dies explizit und fragt nach einem Kaufpreis (oder eben nach einem Verkaufspreis). Das ist hochgradig unüblich. Als Relikt aus alten Zeiten fragt man immer nach einem Quote, ohne anzugeben ob man kaufen oder verkaufen möchte, und erhält beides, den bid und den ask Preis (man geht davon aus das der andere Wettbewerbsfähigere Preise bietet wenn man das so macht..). - Sie erzählt wie hart und ehrgeizig sie sich auf die "Händleprüfung" der Eurex vorbereitet. Weil da ja so viele durchfallen und weil (Zitat S. 71) "man die hochkomplexe Optionstheorie und unendlich viele abgefahrene Handelsstrategien beherrschen" müsse. ...Wa? Ich empfehle hierzu mal den Fragenkatlog zur besagten Händlerprüfung auf der Seite der Eurex als Indikator runterzuladen? Wo ist da Optionstheorie und wo sind da abgefahrene Handelsstrategien? - etc... Generell klingt das Wissen über Derivate zu sehr nach Internet. Zu technischen Details wird selten was gesagt ( ich erinnere mich an ein delta von 0.5 für eine at the money option). Sie äußert sich mal zum Konzept der Korrelation...und stellt unter Beweis das sie es auch nichtmal im Ansatz begriffen hat. Auch nicht im Glossar...die Korrelation gibt NICHT "die Wahrscheinlichkeit für Gleichlaufende Kurs- und Marktbewegungen wieder"! NICHT DIE BOHNE! Auch der Sexismus klingt etwas übertrieben....klingt eher nach Salomon mitte 80er, als nach deutschem Investmenthaus mitte 90er. Alles keine Beweise.... und wäre alles nix wert, wenn die Autorin nicht anonym wäre....aber so!?! Ich habe meine Zweifel ob die Frau (wenn es überhaupt eine ist) jemals an einem trading desk gearbeitet hat! Ich möchte hier nur nochmal verdeutlichen, daß es mir nicht darum geht die Praktiken der I-Banken zu verteidigen. "Banker Bashing" hat schon (in Maßen und differenziert) seine Berechtigung. Es gibt auch tolle Bücher zum Thema. Von kredibilen Quellen. Lustig geschrieben UND informativ. Zum Beispiel : Traders, Guns and Money. Knowns and unknowns in the dazzling world of derivatives oder (weniger technisch, etwas älter ...aber sehr humorvoll und selbstkritisch) Liar's Poker: Rising through the Wreckage on Wall Street ** Ich möchte sicherstellen, das jeder das versteht wie es gemeint ist. Das ist kein diskriminierender Komentar. Weder für Frauen noch für Mitglieder aus dem Sales Bereich. Ich habe von beiden Sorten (und der Schnittmenge) Personen kennengelernt, die kompetent, erfolgreich (wesentlich erfolgreicher als ich) und trotzdem feundlich und keinen Meter überheblich daherkommen. Sei an dieser Stelle eine Lanze für Frauen und den Sales gebrochen . Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Büchse der Pandora ist geöffnet, Derivate sind in der Welt.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Gier war grenzenlos: Eine deutsche Börsenhändlerin packt aus (Broschiert)
Im Vorwort des Buches steht, dass Namen, Orte und Personenbezeichnungen verfremdet wurden. Folglich sind die Ereignisse, Beschreibungen und Dialoge nicht wörtlich zu nehmen. Doch es reicht der Eindruck, den Anne T. aus dem Haifischbecken Investment-Banking vermittelt: »Investment-Banker verhalten sich hochriskant und rücksichtslos, wollen wenig Verantwortung tragen und kennen nur einen einzigen Zweck: das eigene Vermögen zu mehren.«Anne T. beginnt mit einem kurzen Abriss ihres bisherigen Lebens. Sie stellt sich in ihrer Jugend als unpolitisches Wesen dar, für die es vorwiegend um Barbour-Jacken und Feten auf Ibiza ging. Geld und Äußerlichkeiten standen trotz oder wegen der sozial engagierten Eltern im Vordergrund. Sie studierte nach einem glänzenden Abitur BWL; leckte Blut während eines Praktikums in Frankfurt, später in der City of London, dem Finanzdistrikt der britischen Hauptstadt. Sie begann, beim großen Spiel mitzuspielen. Es ging auch ihr nur darum, Spaß zu haben und das große Rad zu drehen. Sie ist schnell erfolgreich und landet bei 'Der Bank' in Frankfurt. Der nächste Bonus treibt alle an: »Wir Händler konnten nahezu bedenkenlos immer größere Deals eingehen, um den Profit unseres Arbeitgebers und unseren eigenen Bonus zu mehren. Das Risiko, dass etwas schief ging, mussten dabei nicht wir tragen, sondern die Bank oder der Anleger. Und eine kompetente Aufsicht, die uns Einhalt geboten hätte, gab es auch nicht.« Es werden neuartige Anlageformen mit Kapitalgarantie erfunden, um für die Broker und die Vertriebsleute durch die beigefügten, aber relativ wertlosen Optionsscheine gigantische Gewinne zu erzeugen. Dabei waren die Zertifikate »so intransparent, dass außer uns eigentlich keiner verstand, wie man mit strukturierten Produkten Milliarden verdiente.« Leider fehlen im Buch zwar die grundlegenden konkreten Darlegungen der Wertschöpfungskette im Investment-Banking, doch schon die einfachsten Abläufe sind für Laien offensichtlich nur schwer zu durchschauen. Dafür gibt Anne T. erste, erstaunliche, aber gut verständliche Einblicke in die komplexen Vorgänge. Die große Krise, die uns umgab oder umgibt, betraf und betrifft nicht nicht nur Banken, sondern auch Versicherungen. Dieses ganze Konglomerat aus Banken, Versicherungen, Wirtschaftsprüfungs- und Ratingagenturen mit seinen extrem vernetzten Strukturen wird nur oberflächlich entwirrt. Es gibt nicht nur im Investment-Banking, sondern auch im Versicherungsbereich sektenähnliche Tendenzen. Anne T. stellt zwar fest, dass Regeln und Kontrolle unbedingt sein müssen, doch auch sie kann nur auf neue heraufziehende Gefahren hinweisen, ohne konkrete Möglichkeiten zur Eindämmung der Wett- und Spielsucht in den so genannten 'systemrelevanten Bereichen' aufzuzeigen. Der Staat als Schiedsrichter war bisher überfordert. Denn: kreative Banker, gestützt von kreativer Mathematik, finden und nutzen in rasender Geschwindigkeit immer neue Schlupflöcher in den Gesetzen. Es gilt für sie, weiterhin kreative Produkte zu schaffen und an naive oder gierige Anleger, private wie institutionelle, zu verkaufen. »Milliarden hatten wir verkauft und uns dumm und dämlich an den unwissenden Privatanlegern verdient.« Die verwendete Sprache des Buches ist nicht gerade subtil, aber den Verhältnissen, die Anne T. beschreibt, angemessen. Der Stil ist manchmal reißerisch, ihre Personenbeschreibungen ('kalte, selbstherrliche, verlogene, arrogante Selbstdarsteller') sind oft recht plakativ, aber auch entlarvend und provokant. Der subjektive Einblick, den sie durch die beispielhaften Treffen und Geschehnisse gibt, ist mehr als erhellend. Oder werden nur die altbekannten Vorurteile bestätigt? Denn: fast alle spielten und spielen mit. Das angefügte 20-seitige Glossar hilft, einige verwendete Begriffe der Finanzwelt besser zu verstehen und einzuordnen. Bemerkenswerterweise distanziert sich Anne T. rückblickend nicht von ihrem eigenen Verhalten und ihren Aussagen. Sie verweist sogar ausdrücklich auf eine Kollegin, die nach einem Sabbatjahr noch erfolgreicher wieder in dieses Metier eingestiegen ist. So wäre es interessant zu erfahren, was Anne T. jetzt mit den verdienten, oder besser: eingesackten Millionen macht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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