Der Autor verliert sich zunächst etwas in der Liebe zur detaillierten Beschreibung, übertreibt es aber zu keinem Zeitpunkt, sondern versteht es, die fremde Kultur von Coleopa vor dem inneren Auge des Lesers lebendig werden zu lassen. Das Werk ist hervorragend geschrieben, und zwar nicht nur sprachlich, sondern, was besonders auffällig ist, auch handwerklich: Er zieht alle Register eines erfolgreichen Romans. Die Charaktere sind vielschichtig, jeder Zwischenerfolg scheint wieder in ein Scheitern zu münden, die Protagonisten befinden sich in einem ständigen Wettstreit mit ihren Gegnern, Intrigen fallen ihnen in den Rücken, sie geraten immer wieder in scheinbar aussichtslose Lagen, aus denen sie immer gerade so entkommen können. Erfolge und Rückschläge sind gekonnt balanciert, so dass der Leser stets mit der Kapitänin und dem Prinzen mitfiebert, ob es ihnen wohl gelingen mag - obwohl fast alle gegen sie zu arbeiten scheinen - ihre Ziele zu erreichen. So gelingt es dem Autor, den Leser stets interessiert zu halten, zu fesseln und auch dafür zu sorgen, dass er sich zu keiner Zeit langweilt oder gar Längen aufkommen.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass im ganzen Buch auf die „geheimen Hintergründe" der Gezeitenwelt Andeutungen fallen gelassen werden und auch das eine oder andere Geheimnis zumindest ansatzweise enträtselt wird - allerdings nur so weit, dass das Interesse des Lesers auf mehr Wissen geweckt ist und die Neugier bohrt. Genau das hatte schon den herausragenden ersten Band der Reihe ausgezeichnet. Es handelt sich hier um eine besondere Stärke der Gezeitenwelt-Reihe und auch um die besondere Würze. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, mehr über diese Welt zu erfahren und herauszubekommen, was zum Teufel nochmal eigentlich vor 500 Jahren dort passiert ist, was sich jetzt ja irgendwie zu wiederholen scheint.