Ich denke, dass man sich beim Lesen dieses Buches ehrlich fragen sollte, warum man eigentlich dieses Buch gekauft hat. Denn ein "Top oder Flop"-Urteil hängt bei diesem gut recherchierten Schmöker primär von der Erwartungshaltung ab. Dazu meine Meinung:
- Alljene, die die 24 Gesetze der Verführung als "Aufreisser-Buch" sehen, werden sicher bitter enttäuscht sein. Einerseits sind die primär historischen Beispiele völlig ungeeignet sie in der modernen "Single-Szene" anzuwenden. Wer nach Tips&Tricks in diesem Bereich sucht, sollte eher in der Rubrik "Lebensberatung" oder "Partnerschaftsberatung" suchen.
- Viele Gesetze "widersprechen" einander. Es wäre unmöglich bis peinlich eines der Gesetze 1:1 im Alltag anzuwenden. Dafür sind Alltagssituationen zu komplex und man braucht einfach ein Gespür im richtigen Moment in der richtigen Situation das richtige zu tun. Auch tue ich mir mit dem immer wieder zitierten "Tagebuch des Verführers" von Kierkegaard schwer. Kierkegaard war nämlich primär ein sehr schwermütiger, existentialistischer Philosoph, der in Sachen Beziehung eher ein "Null-Checker" war...;-)
- Auch ist die Unterteilung in die Verführungstypen sicherlich zu schematisch. Abgesehen davon, dass man seine Persönlichkeit nicht einfach wie "ein Hemd" wechseln kann, so gibt es auch sicher keine "reinrassigen" Verführertypen, sondern Mischformen.
ABER (und jetzt kommt das Positive):
- Diejenigen, die daran interessiert sind die Mechanismen hinter der Verführung zu durchschauen (und Verführung findet nicht nur in der Liebe statt, sondern auch in der Politik, im Verkauf, in der Familie,....), werden einige Aha-Erlebnisse haben. Vieles erscheint nach dem Buch klarer und man kann z.B. nachvollziehen, warum Männer und Frauen so oft eine offenkundig kranke und negative Beziehung eingehen oder dem "Bösen Buben" oder "dem männerverschlingenden Vamp" gerne den Vorzug geben.
- Wichtig ist auch zu verinnerlichen, dass Menschen prinzipiell GERNE(!) verführt werden. Und dies wird im Buch immer und immer wieder betont. Sicherlich spielt hier auch die Manipulation eine große Rolle, aber wer genießt es andererseits nicht auf angenehme Weise verführt zu werden?.....Wer widersteht zum Beispiel gerne Komplimenten, wenn sie charmant oder witzig vorgebracht werden. Und ist es in solchen Situationen nicht sekundär, ob alles der Wahrheit entspricht?.....
- Toll finde ich auch wieviel Recherche-Arbeit diesem Buch vorangegangen sein muss und wie Greene historische Beispiele unterschiedlichen Verführungstypen "zuordnete".
In diesem Sinne: 4 Sterne und eine eindeutige Leseempfehlung! (lediglich ein Stern Abzug, weil ich zu aktuellen Personen und Situationen oft mehr Zugang hätte.
PS: Nicht den Fehler begehen zu glauben, dass erfolgreiche Verführer auch "glücklichere" Menschen waren. Oft war das Gegenteil der Fall. Allerdings macht die Unfähigkeit Menschen zu verführen (nein - hier geht es wieder nicht um Sex!!) oft unglücklich. Und da bewirkt dieses Buch schon einige Aha-Erlebnisse