Das war wohl mein vorerst letzter Versuch mit Connie Palmen (nach I.M., Die Erbschaft). Sie bringt bei mir einfach nichts zum Klingen.
Mein Stein des Anstoßes: Man kann doch Philosophie in einem Roman nicht einfach erklären. Es braucht Charaktere, in die man sich so hineinfühlen kann, dass deren Erkenntnisse und Aha-Effekte wie eigene erlebt werden.
Die Begegnung der wissbegierigen, komplizierten Philosophiestudentin Marie mit sieben Männern, alle auf unterschiedliche Art weise, aber gebrochen, ist aber so offensichtlich nur ein Hilfskonstrukt, im Rahmen dessen Palmen sich an philosophischen Erkenntnissen Sartres, Derridas und Foucaults abarbeitet, dass mir genau dieses Nachempfinden misslingt. Das ist einfach intellektuelle Kraftmeierei ohne Mehrwert für den Leser.
Auch wenn Roman-Ich und Autor-Ich nicht deckungsgleich sind, so spielt Selbstinszenierung bei Connie Palmen doch eine große Rolle: Sie erzählt immer aus der Sicht intellektueller, starker, schwieriger, sexuell freizügiger, emanzipierter und den Männern Angst einflößender Frauen; alle Begegnungen und Gespräche sind besonders; Identifikationspunkte für den Leser "von der Straße" bieten sich kaum. Connie Palmen lässt ihre Ich-Erzählerin "viel zu oft "ich" sagen", wie es in einer Rezension hieß, und dann häufig mit einem unterkühltem Understatement, dass eigentlich nur das Gegenteil gemeint sein kann. Manche niederländische Autorinnen legen wirklich einen ganz besonderen Narzismus an den Tag (siehe auch Jessica Durlacher), merkwürdig.
Mir fehlt hier einfach das Gefühl, der Bauch, wenn schon Liebesgeschichten, dann doch bitte nicht so verkopft! Der Bauch spricht aber bei Connie Palmen höchstens, um zu hungern, zu kotzen oder in die Hosen zu scheißen (siehe Eröffnungsszene bei "I.M."). Ich finde das eine überzogene, aggressive und abstoßende Spielart von Emanzipation.