Independentfilme sind unabhängige, kleine Filme. Sie müssen mit geringem Geldeinsatz funktionieren, dafür sind sie meist kreativer und erzählen Geschichten von echten Menschen, ohne den aufgesetzten Hollywood Touch. Im europäischen Kino haben sie eine längere Tradition ohne einen Namen erhalten zu haben. In den USA war das Filmemachen ohne die grossen Studios im Rücken eher ungewöhnlich, was schlussendlich zum Begriff und somit auch zum Prädikat führte. Denn die Abspaltung entstand aus einer Unzufriedenheit einiger Filmemacher heraus, die die Erfahrung machten, dass die grossen Studios aufgrund kommerzieller Erwägungen sehr schnell künstlerischen Ideen das Wasser abgruben. Es mussten andere Finanziers gefunden werden, um den Film - so wie der Künstler in sich vorstellte - zu produzieren.
Als Vater des modernen US-Independentfilms gilt John Cassavetes. Er war Vorreiter des New Hollywoods in den 70er, eine Phase in der besonders viele innovative und progressive Stoffe verfilmt werden konnten.
Doch der US-Film der 70er hatte noch eine andere Richtung: Die Studios waren auf der Jagd nach immer erfolgreicheren Kassenschlagern, es wurden Filme realisiert, die es immer wieder schafften, den bislang erfolgreichsten Film aller Zeiten zu toppen. Diese Tendenz hält bis heute an. Die Studios vertreten seitdem ein Kino der Blockbuster, der Fortsetzungen oder Campfilmen.
Sie führte letztendlich auch zum Aus für den US-Autorenfilm des New Hollywood, "Heavens Gate" von Michael Cimino war finanziell der grösste Filmflop aller Zeiten und stürzte die United Artists in den Ruin.
In den 80ern machten aber dennoch immer wieder innovative Filmemacher auf sich aufmerksam: Jim Jarmush, Spike Lee, Steven Soderbergh etc.
Ihre Erfolge signalisieren auch den Wunsch des Publikums nach neuen, innovativen Stoffen. Gleichzeitig steckten auch die etablierten Studios wieder in der Krise, weil Gewinneinbrüche zu verzeichnen waren.
Durch ständiges Auftauchen bei den Oscarverleihungen war dem Independentfilm eine zusätzliche Möglichkeit geboten, immer mal wieder auch durch den hohen Kritikerzuspruch kommerziell erfolgreich zu sein.
Die großen Hollywoodstudios begannen Independentproduktionen aufzukaufen bzw. eigene Abteilungen für die Produktion von Independentfilmen zu gründen.
Auf diese Weise ist heute die Grenze zwischen Hollywood und alternativem Filmproduzenten heute etwas verwischt. Das mag man vielleicht etwas bedauern, aber immerhin ist es wieder wesentlich wahrscheinlicher, dass kleine Perlen des amerikanischen Filmschaffens auch entsprechend vermarktet werden können und nicht so leicht untergehen.
"Die Geschwister Savage" ist so eine Independentperle der Gattung Tragikomödie, ein recht schwieriges Genre.
Ausführender Produzent des Films war Alexander Payne, selbst Regisseur von Filmen wie "Sideways" oder "About Schmidt".
Regie und Drehbuch sind von Tamara Jenkins.
Wendy (Laura Linney) und Jon Savage (Philip Seymour Hoffman) sind Geschwister, er ist 42 und sie ein paar Jährchen jünger. Sie leben an der amerikanischen Ostküste und führen ihr eigenes Leben, haben nur sehr selten Kontakt zueinander.
Jon unterrichtet als Professor an einem College und schreibt Bücher über Bertolt Brecht. Seine Beziehung zu der Polin Kasia (Cara Seymour) steckt auf wackligem Fuß. Wendy dagegen lebt mit ihrer Katze zusammen, gelegentlich klingelt der verheiratete Larry (Peter Friedman) bei ihr und zwar dann wenn er mit seinem Hund Gassi geht. Die beiden haben ein Verhältnis miteinander, aber Larry hat nichts mit Scheidung am Hut.
Der Vater Lenny (Philip Bosco) lebt in Sun City, Arizona bei seiner reichen alten Freundin, die in einem Schönheitssalon an Altersschwäche stirbt. Wendy und Jon reisen zur Beerdigung und erleben mit, wie der an Demenz und Parkinson erkrankte Vater durch einen nachteiligen Partnerschaftsvertrag das Haus, in dem er 20 Jahre mit seiner Freundin lebt, verlassen muss. Aber wohin mit ihm ?
Für die Geschwister bleiben nur die Feiertage, um den Vater irgendwo - möglichst zufrieden und vor allem ohne schlechtes Gewissen - unterzubringen. So beginnt eine Odyssee in die Welt der Alten- und Pflegeheime...
Ein recht niederdrückender Stoff übers Alter, über Krankheit und über Tod.
"Die Geschwister Savage" ist so brutal, wie nur die Realität es sein kann. Es schneit während die beiden Geschwister den Vater unterbringen - ja auch abschieben wollen - nicht nur das Wetter ist kalt und trostlos.
Wie trügerisch die Bilder am Anfang von einem sonnigen Sun City, wo der Vater wohnte. Ein Ort der Illusion. Die Geschichte ist düster und erdrückend, aber Tamara Jenkins schafft das seltene Kunststück in diesem alltäglichen Frust eine besondere menschliche Wärme zu erzeugen.
Schauspielerisch überzeugen die beiden Hauptdarsteller, Laura Linney konnte sogar als neurotische Wendy eine Oscar-Nominierung erringen konnten.
Die schönste Szene gehört aber dem Vater, als er bei einem Streit seiner beiden Kinder im Auto, heimlich das Hörgerät abstellt.